62 Astronomie. Cap- t
99) Alle Himmelskörper cul mini reu (d. i. sieerlangen ihre größten Höhen) im Meridian. Diesesist deshalb die bcßte Stellung, um sie zu beobachten,weil sie hier die wenigsten Störungen von den Ungleich-heiten und Dunsten der Atmosphäre erleiden, auch ihrOrt durch die Strahlenbrechung am wenigsten verrücktwird.
199) Alle Himmelskörper innerhalb des Kreisesder beständigen Sichtbarkeit kommen, bei jedem tagli-chen Umlaufe, zweimal über dem Horizonte in denMeridian, einmal über und einmal unter dem Pole.Dieses sind ihre oberen und unteren Culmina-t i onen.
191) Wir wollen dieses Capitel damit schließen,daß wir die Aufmerksamkeit des Lesers auf eine That-sache lenken, über die er, wenn er sie hier zum ersten-male erfährt, sich unfehlbar wundern wird, nämlich,daß die Sterne durch Fernröhre am Tage eben so wohl,als des Nachts, beständig sichtbar sind, und daß man,im Verhältniße zur optischen Kraft des Instrumentes,nicht allein die größten und glänzendsten derselben,sondern sogar diejenigen von geringcrem Glänze undsolche, welche dem bloßen Auge des Nachts sich kaumbemerkbar machen, selbst zur Mittagszeit leicht auffin-den und verfolgen kann (außer in demjenigen Theiledes Himmels, welcher der Sonne sehr nahe liegt), so-bald man nur die Mittel besitzt, ein Fernrohr genaunach den gehörigen Stellen zu richten. Ja man kannsogar solche helle Sterne, welche durch das Zenith ge-hen, vom Boden sehr tiefer, enger Gruben, z. B.aus einem Brunnen, oder aus dein Schachte eines Berg-werkes, mit unbewaffneten Augen erkennen, und derVerfasser hat es selbst aus dem Munde eines berühm-ten Optikers vernommen, daß die erste Veranlassung,die seine Aufmerksamkeit auf die Astronomie lenkte, dieregelmäßige Wahrnehmung eines bedeutenden Sternesdurch die Röhre eines Schornsteins mehre Tage nach-einander zu einer gewissen Stunde, gewesen sey.