Tod von Cöcile. Dirichiets nach Güttingen. 385
König von Preussen vertrat, zeigen, wie eifrig er immer war,die besten Interessen derer zu fördern, welche er solcherFörderung für würdig hielt. Aber es waren nicht bloss Ge-nossen seiner Kunst, denen seine Hülfleistung sicher war;Stand und Lebensstellung spielte hierbei keine Rolle für ihn.Für einen einfachen schweizer Gebirgsführer verwendete er sichlebhaft, gute Dienstboten und tüchtige Handwerker warenseiner thätigen Hülfe stets sicher; seine Beliebtheit bei soge-nannten „kleinen Leuten" war eine ausserordentliche. WieKinder an ihm hingen, welches Fest es war, wenn er inBerlin erschien, und trotz aufreibender Arbeiten immer Zeithatte, wenn irgend ein, noch so anspruchsvoller, kindischerWunsch zu erfüllen war, dessen gedenkt der Verfasser diesesBuchs mit dankbarer Rührung.
Halten wir noch einen kurzen Ueberblick auf den weiteren -Lebenslauf der anderen, in diesen Blättern Vorkommenden —viel anders, als eine Gräberschau, ist kaum zu berichten.
Die Erste, welche aus dem Leben schied, war Cecile, dieWittwe Felix Mendelssohns. Sie lebte noch beinahe sechs Jahre,sehr still und zurückgezogen, bald in Berlin, bald in Frank-furt am Main, ihrer Vaterstadt, sich freuend an den herrlichblühenden Kindern, und ihrer Erziehung alle ihre Kräfte wid-mend. Der Keim zu der zerstörenden Krankheit, der sie erlag,war wohl schon lange vorhanden; nach Felix' Tode machte dieSchwindsucht schnelle Fortschritte; sie starb am 25sten Sep-tember 1853 in Frankfurt an einem Sonntag, da es geradeMittag läutete, und liegt auf dem dortigen schönen Kirchhof,mit dem Ausblick auf das blühende, herrliche Land und dasTaunusgebirge, begraben.
Dirichiets verliessen im Herbst 1855 Berlin, und siedeltennach Göttingen über, wo er den verwaisten Lehrstuhl vonGauss erhielt. Diriclilet war stets ausserordentlich freisinniggewesen; an der politischen Bewegung betheiligte er sich leb-haft und Rebecka sympathisirte vollkommen mit seiner Auf-fassung der Dinge. Beide kamen dadurch in starke Oppositiongegen den reaktionären Zustand Preussens der fünfziger Jahre,die Lehrthätigkeit an der Universität, namentlich aber an der
Die Familie Mendelssohn. II. 25