Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
344
Einzelbild herunterladen
 

344

Eeise- und Heirnathbriefe.

Winter die grosse Reise zu machen, um mir Trost und hoffent-lich Glück zu bringen. Zum ersten Male freue ich mich nunbeinahe über meine wahrscheinliche Lage, denn recht ge-wiss kann ich noch immer nichts entscheiden, sonst hätt' ich'sEuch ja lange geschrieben, anstatt Euch über meine Krank-heit zu ängstigen. Dirichlet hat Felix eine Relation meinerganzen Krankheit geschickt, ich will Dir in aller Kürze nocheinmal die gräuliche Geschichte erzählen, überlegt dann selbst,wie viel Aussicht zu einer fröhlichen Kindtaufe ist, sowie dengrossen Entschluss, mitten im Winter als Krankenwärter vonBerlin nach Florenz zu reisen." (Folgt ein Bericht, der imWesentlichen das oben Erzählte enthält.)So befindeich mich nun in dem Fall, den ich immer für unmöglich ge-halten habe, nicht zu wisssen, ob ich seit wenigstens fünfMonaten in andern Umständen bin, oder nicht. Gestehe, dassdies allerdings eine kuriose Geschichte ist; was ich gelittenhabe, das schreibt sich nicht, das sagt sich kaum. Dass ichalle diese Zweifel, dieses nicht - doch diese verrückteReise nicht so ruhig ertragen habe, als ich jetzt davonschreibe, sondern vielmehr Agitato ma troppo , und auch zuZeiten Furioso ma non tanto, das kannst Du wohl denken!Geht Alles von jetzt an gut, so rechne ich auf die Katastrophespätestens Anfang April. Ich werde mich so ruhig als mög-lich halten, es kann vielleicht noch Alles besser werden, alsich denke, und welch ein Trost, welche Hülfe Du mir in jedemFalle wärest, das kann ich nicht ausdrücken. Ich fange jetztan zu begreifen, dass Ihr vielleicht herkommt, zuerst konnteich den Gedanken gar nicht klein kriegen, und fange an, michrasend auf Augenblicke zu freuen. Heut Nacht wachte ichauf und ging in Gedanken Hensel's ganzen Esskatechismusdurch; ich weiss ihn noch sehr gut und kann alle Artikelpünktlich befolgen, also vielleicht auf Wiedersehn in Florenz,ich fange an zu hoffen."

Fanny an Rebecka.

Berlin, den 13ten December 44.

Mein liebes Beckchen, da habe ich nun endlich einmal