Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
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Reise- und Heimathbriefe.

Ueberfluss wie der arme Sebastian a la limonaäe zu Hausekommen solltest; Du armes Kind! Wie leid tliust Du mirund wie fatal, dass Deine Rückreise nun abermals verschobenworden. Dass Du aber dann noch sechs Wochen dazu rechnestund dass sie Dich nach überstandener Krankheit noch vierzehnTage da behalten wollen, begreife ich nicht recht. Ich glaubemich übrigens zu erinnern, dass nach der Appetitlosigkeit, diewährend der Gelbsucht stattfindet, das gerade Gegentheil ein-tritt und hoffe, Du wirst wieder Fleisch ansetzen, wenn Duwelches einnimmst. Lass es Dich nur nicht ärgern, wennDeine Epidermis etwas angegriffen ist, wir wollen alles aufdas südliche Klima schieben. Du findest jetzt Deinen Wegmit alten verwelkten Briefen bestreut. In Zürich schlage ichDir vor, Mama mit Minna, die am Rhein ist, zurückkommenzu lassen. In Mainz erfährst Du, dass Ernstchen, wie ichhoffe, eine brauchbare Bonne in Gestalt eines netten fran-zösischen Schweizer-Bedienten vorfinden wird, in Freiburghabe ich Nachrichten für Euch an Woringen's gerichtet. InMailand findest Du einen Brief, der, wenn ich nicht irre, zurZeit der Erfindung der Buchdruckerkunst geschrieben ist undNeuigkeiten aus dem Jahrhundert seiner Absendung enthält,die ich nicht mehr weiss. Noch eine Uebereinstimmungzwischen unsern beiden Reisen ist die, dass Europa wiederdieselben höchst unangenehmen Gesichter schneidet wie damals,und dass England jetzt singt:Sie sollen ihn nicht haben,den freien Deutschen" ach nein, Tanger ist ja nicht deutschund England singt nicht a capella, sondern mit Begleitungvon so und so vielen Brummdampfböten; so Gott will werdensie noch einig, ehe es zu spät ist. Aber die Sache siehtbedenklicher aus, denn je. Ach! wärt Ihr doch erst wiederhier, die Zeit wird mir doch recht lang! Und Deine Möbel-politur wird wieder blind und auf den gewaschenen Sophasetzen sich die Fliegen und der schöne grüne Platz vor DeinemFenster, der die Aussicht so freundlich macht, wird ja alt undgrau, wenn Ihr so lange macht.

Gestern hat die Kimstausstellung angefangen; diesmalsind den alten Senatsperrücken, die das Aufhängen und Würgen,