Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
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Reise- und Heimathbriefe.

aus dem Taunus, von Cecile nach der Natur gemalt. Orangenund Citronen giebt es hier nicht, aber solcher Blumen viel rwenn Du es nicht glaubst, so komme und sieh sie Dil- an. Dasist eigentlich das Thema dieses Briefes. Gar zu prächtig wärees, wenn wir hier zusammenstiessen, und ich halte es nunwirklich für wahrscheinlich. Diese rulligen Tage und dies herr-liche fruchtbare Land machen mir gar zu viel Freude; so langeich nur irgend kann, bleibe ich, und wenn Ihr zum Schlussnoch erscheint, giebt's ein wahrhaftes Bouquet (in allen Sinnen).Schmecken wird Euch die Gegend nach Palermo und Sorrentnur wenig, und doch sollte man das eigentlich nicht sagenund glauben. Wer das eine Schöne wahrhaft fühlt, wen eswahrhaft beglückt, dessen Sinn wird gewiss nicht enger, nurweiter dadurch, und muss sich an Allem freuen, was ächt schönist. Es ist mein ewiger Aerger, wenn die Einen nur Bee-thoven und die Anderen nur Palestrina, und die Dritten nurMozart oder Bach gut finden, entweder alle vier oderkeiner, woraus hervorgeht, dass Dir der Fussweg von Sodennach Altenhain gefallen muss. Aechte Kastanien und Nüssedie schwere Menge aber die seid Ihr besser gewöhnttausendjährige Eichen und Kornfelder und Brombeeren diehaben wir wieder besser und Rhein und Main dazu im Hinter-grund, und unglaubliche Aepfel- und Birnbäume. Palmen habenwir nicht, dafür aber sehr gute Mehlspeisen. Schätzest Du dasgering, so frage Walter, der schlägt sich auf Seite der Deut-schen. Dass hingegen der Vesuv besser klappt, als es dasMusikfest in Zweibrücken thun wird, glaube ich selbst eigent-lich; Breiting singt auf Letzterem wahrscheinlich, ob eraber so gut konservirt ist, wie Pompeji in seiner Art, weissich nicht. Der Conditor verkauft hier auch Hemdenknöpfe,die Polizei ist der Mann der Kochfrau, in der Kirche zuNeuenheim ist um acht katholischer, um neun protestantischerGottesdienst, der Feldberg ist zwei Stunden Weges, es giebtauch viel Esel hier auch eine Herzogin Hoffmann vonFallersleben wohnt uns gegenüber, Freiligrath in Kronthal,Lenau ist in Frankfurt, das Alles sind Anziehungspunktefür Dirichlet, wenn er sich noch ein deutsches Herz im Busen