Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
276
Einzelbild herunterladen
 

276

Reise- und Heimathbriefe.

Schnetz will weg-, und Ingres wurde die Zeit lang! Wennich doch diese Menschen begreifen könnte! Ich bin von Naturnicht neidisch, habe auch nicht Grund dazu, denn ich fühlemich in meiner Haut und Lage sehr wohl, aber wenn es eineStellung in der Welt giebt, die mir beneidenswerth schien,so war es die eines Direktors der französischen Akademie.Sage selbst, o Du Römerin, wenn man nur den Palazzo Me-dici sieht, darin zu hausen, königlich bezahlt, umgeben vonder Elite der Kunstjugend seiner Nation (das sollen sie dochwenigstens sem) mit Vorrechten und Freiheiten, wie sie nurein Gesandter hat — ich fand nur eine schmerzliche Seitedabei, eine solche Stellung nach sechs Jahren einem Andernzu überlassen, und diese Leute können die Zeit nicht erwarten.Es geht den französischen Künstlern zu gut, sie wissen sichvor Uebermuth nicht mehr zu lassen, und werden noch enden,wie der Fischer im sine Fru."

Rebecka an Fanny.

„— — Wichtiges habe ich heut nicht zu berichten; derBesuch bei Papstens war das einzige Epochemachende derletzten Tage. Diriclilet war sehr encliantirt von Päpsten, erhat sich über eine halbe Stunde mit ihnen unterhalten überlauter mathematische Gegenstände und Personen und vielbesser Bescheid gewusst, als Lady Somerville; sie meinen, erhätte sich präparirt. Es muss doch schön gewesen sein,Diriclilet auf den Knien den Pantoffel und Jakoby als Ketzerdie Hand küssen zu sehn. — Den 5ten Januar. For shame!Gestern Abend hat's geschneit und alle Dächer sind weiss;das ist 'zwar übertrieben, aber 'an manchen Stellen ist derSchnee wirklich bis heut früh liegen geblieben. Zu meinergrossen Freude fand ich Deinen und Felixens Brief zu Hause.Ihr klagt über lederne Gesellschaften! Kommt einmal hierher;hätten nur die Arbeiter hier Industrie, sie hätten Zeug genug,die ganze Welt mit Schuhen und Stiefeln zu versehn. Bei-nahe so ledern wie dieser Brief, der, glaub' ich, nie fertigwerden wird. Seit uns die Kälte auf unser einzig warmes