Assisi.
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das niclit schon versprochen! Gestern kam ich nicht zumSchreiben, wir haben nämlich Assisi nicht laufen lassen, son-dern haben uns selbst müde drin gelaufen, eine wundervollealte Kirche gesehn, über und über bemalt mit den wunder-lichsten Dingen. Das ganze Assisi liegt, furchtbar katholisch,auf einem Felsen, alle Häuser und Thore bemalt, in einerallerliebsten Kapelle sass eine Schusterbude. Göthe hat mirdie Mühe des Beschreibens abgenommen, über den Minerven-tempel soll er viel gesprochen haben, es ist mir nicht gegen-wärtig.- Mich hat am meisten dran der Vorplatz mit den zubeiden Seiten herunterführenden Treppen aus Antigone gerührt,obgleich sie nicht antichissime, sondern erneuert sind. Aneiner ehemaligen Schule stehen auch noch sechs reizende an-tike Säulchen, früher Tempel. Von dort aus weht römischeLuft, überall Reste von Amphitheatern, Bogen, Wasserleitungen,Kirchen über ehemaligen Tempeln, an den Bauerhäusern Frag-mente zertrümmerter Herrlichkeiten; ich finde es höchsterstaunlich, dass wir nun so nahe an Rom sind und Mittwochbei Papstens essen werden. Historisch habe ich nicht viel zuberichten, wir fuhren gestern nach Sonnenaufgang von Peru-gia fort, bedauerten sehr, nicht länger dort gewesen zu sein,kamen zuerst nach Maria degli Angeli. Ernstchen sagt, dasist eine neumodische Kirche, wollen wir da auch hinein? undhatte Recht; ein wunderthätiges Bild des „Overbekke" warnicht der Mühe wertli. Von da im herrlichsten frischenHerbstwetter mit Ochsen di rinforzo den Schneckenweg umden Berg herum nach Assisi hinauf, unter immerwährendemGlockengeläut in allen Tönen. Ich käme gar nicht aus derRührung heraus, miisste ich nicht dazwischen mich halbtodtlachen, wenn einer mit der Büchse für die Seelen im Fege-feuer bettelt, oder wenn die Bettler sich mit ihren Mäntelnaus tausend Lumpen zusammengeflickt, drappiren, als wäre esein Purpurgewand. All das italiänische Zeug ist so hundert-mal abgebildet, und verfehlt doch im Komischen und Ernst-haften nie seine Wirkung. Wir gingen dort in S. Francesco,zwei grosse Kirchen übereinander, von denen besonders dieuntere höchst geheimnissvoll und merkwürdig, uralt, düster.