Mailand.
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Stunde mit Walter und Jakoby im Dom und liess ganz ruhigdie Schönheit auf mich einwirken. So müsst' ich eigentlichAlles sehen, in Florenz denk' ich es auch zu thun. Es warFest der Maria, ewiges Kommen und Gehen in der Kirche,alle Bilder im Schmuck und erleuchtet. Mit Jakoby undBorcliai'dt gingen wir auf die ambrosianische Bibliothek, wosich den Membres de l'acade'mie alle Schränke mit seltenenManuskripten und Vignetten öffneten; von da nach den Ueber-resten der cena von Leonardo, da sah ich einen ganz kleinenKupferstich von einem Profil-Christus, den ich gleich nach demUmriss in Hensel's Buch erkannte, und darauf ging's zu Ro-bescelli, der hält neben seinen Bildern eine Kaffeekneipe, wowir schlecht frühstückten und schworen, wenn die Bilder nichtselbst für uns Laien schön wären, würden wir Hensel dieRechnung unfrankirt schicken. Aber der Christuskopf vonLeonardo*) wirkte mächtig selbst auf die mathematischen Ge-müther und statt der unfrankirten Rechnung wurde eine Dank-adresse votirt. Diesen Christus und eine Murillo'sche Madonnamit einem liässliclien aber interessanten Kinde hat ein Englän-der gekauft; ausser dem und manchem Schönen brachte er einPortrait von Velasquez heraus, von dem ich zum allgemeinenErgötzen fand, es sehe Borchardt frappant ähnlich. Der Bil-derhändler erzählte, ein Prussiano wäre bei ihm gewesen, einvero conosciutore und der wahre Begeisterung für die Kunsthätte, il signore Uensele. Da waren wir in pays de connaissanceund ich habe versprochen, seine unterthänigsten Griisse zu
bestellen.
Montag den Ilten reisten wir nach Genua, ich erlasseDir viele rückständige Klagen über Pass - Scheererei, übereinen schmierigen Vetturin, über den langweiligen Wegvon Mailand bis Novi und suche lieber die schönen Momenteheraus, der nothwendig einfache Bogen naht sich schon sehrseinem Ende. In der Certosa bei Pavia sah ich die erstenAltäre von Florentiner Mosaik, von der Du, liebe Fanny, so
*) Er hatte Hensel entzückt, der ihn gern für das BerlinerMuseum gekauft hätte.