Felix in Berlin.
223
Haus nicht bewohnen uncl ein anderes lieber. Sonderbar, wennich nun den Winter nach Berlin komme, wo Du uns geradefehlst. — Zum nächsten Juni habe ich ein Musikfest in derPfalz (in Zweibrücken) angenommen und denke also mit Sackund Pack gegen Ende Mai nach Frankfurt aufzubrechen. AmEnde treffen wir uns da noch im guten Wehl- und Obstland.Du wirst den Kopf schütteln über meine Reisepläne und Un-stätigkeit. Aber Gottlob! Cecile und die Kinder sind kernge-sund, und mir schmeckt das Reisen noch so süss, wie nurjemals, — warum soll ich da nicht einmal den vornehmenHerrn spielen und den Winter da zubringen und den Sommerdort? Wird endlich nichts daraus, so waren doch die Pläneschön. —
Und nun genug von mir. Eben kommen Cecile und Karlin's Zimmer, und Karl trägt einen lebendigen Krebs in derHand und lässt ihn am Boden herumkriechen, und Marie undPaul kommen dazu, und Alle schreien vor Freuden. Neulichbrüllte Paul im Nebenzimmer unsäglich, und dabei höre ichKarl immer rufen: „Nochmal! Nochmal!" Und dann brülltder wieder und der andere schreit: „Nochmal! Nochmal!" —Wie Cecile kommt und nach der Ursache fragt, so sagt Karl:„Mama, ich wollte gern merken, was Paul für eine Stimmehat, wir machen Probe." Und Marie steht dabei und sagtganz ernsthaft: „Paul kann doch sehr stark singen." So sindsie Alle lieb und gut und ein Gottessegen, und selbst derAllerkleinste schaut schon aus seinen blauen Augen recht gutund vernünftig heraus.
Montag hab' ich die Aufführung der Medea von Euripidesin Potsdam miterlebt; Tags zuvor hatte ich schon die General-probe auf Einladung mit anhören müssen („Ich war in dieProbe befohlen" würde sich ein feiner Mann ausdrücken). 0Gott! wemi man nur nicht täglich die Geschichte von derCassandra aufführen sähe und selbst mit aufführte! Wie rechthatte ich wieder prophezeit! Wie sehr haben sich sogar dieLeute entsetzt und gelangweilt! W T ie schlecht, ja wie erbärm-lich sind die meisten Scenen dieses Stücks! Taubert hattesich mit der Musik alle erdenkliche Mühe gegeben, aber was