Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
216
Einzelbild herunterladen
 

216

Reise- und Heimathbriefe.

Elende; ich hätte nicht gedacht, dass so etwas noch heut vor-fallen kann. Politisches hör' ich genug; es ist ein schreck-lich aufgeregtes Nest; Musikalisches gar nicht. Habt Ihr denndie Viardot-Consuelo gehört? Die verdammte Sand; ich musshei jedem Krautgarten an sie denken. Bitte, schreibt Alles,jedes Butterbrod interessirt mich."

Rebecka an Paul.

Badenweiler, d. 28sten Juli 43.

Ich benutze einen Regentag, leider giebt es deren viele,um meinen wöchentlichen Bericht an Dich, wahrscheinlichStrohwittwer, zu richten. Du wirst wohl schon gehört haben,da ich hoffe, Du bist in Verbindung mit der Leipziger StrasseNo. 3, das ich hier bin hängen geblieben und ich bereue eskeinesweges, es ist ein reizendes Eckchen Welt hier, wirklichdas holde Thal", wovon Fanny singt, so grüne Matten vollder schönsten Bäume, so viel Quellen, und dabei liegt es ganzhoch in den Bergen; und ist doch so laue windstille Luft, inden Gärten wachsen Lorbeer und Oleander im Freien, die ob-ligaten Burgruinen mit Eichen fehlen auch nicht, und wennman glaubt, die grüne Bergaussicht könnte man einmal sattwerden, so sieht man anders herum, da liegt der Rhein, rivedroite et rive gauclie mit allem Elsass und Vogesen. Es istgerade ein Aufenthalt, wie ich ihn liebe, nicht nur schönePunkte, sondern jeder Schritt ist schön, bis auf die sorgfältiggekiesten Wege hinab, die von bunten Krystallen glänzen,ich wollte schon eine Fuhre für unsern Garten schicken; undjeder Kulistall, jeder Pfahl hat einen dicken Kranz von denschönsten Schlingpflanzen. Hieraus kannst Du Dir gar keinenBegriff davon machen, wie schön es ist, aber Dir doch denken,dass es schön ist, wenn nur besser Wetter wäre. In derSchweiz soll es gar arg sein, in Lauck, in Baden liegt dickerSchnee, und so lang der Basler Wind weht, ist keine Hoffnungauf Beständigkeit.

An der Table d'hote ist hier eine Heringsdorfer Wirtli-scliaft, meist Frauen mit Kindern, sogar Ernst speist unten.