Felix bei der Königin Victoria.
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runter gellt und harmonisch, heraufkommt, gerieth sie beideMale nach dis, und weil ich's ihr beide Male angab, nahm siedas letzte Mal richtig d, wo es freilich hätte dis sein müssen.Aber bis auf dies Versehen war es wirklich allerliebst, unddas letzte lange g habe ich von keiner Dilettantin besser undreiner und natürlicher gehört. Nun musste ich bekennen,dass Fanny das Lied gemacht hatte (eigentlich kam es mirschwer an, aber Hoffahrt will Zwang leiden) und sie bitten,mir auch eins von den wirklich Meinigen zu singen. „Wennich ihr recht helfen wollte, tliäte sie es gern," sagte sie undsang: „Lass dich nur nichts nicht dauern" wirklich ganzfehlerlos und mit wundernettem, gefühltem Ausdruck. Ichdachte, zu viel Complimente müsse man bei solcher Gelegen-heit nicht machen und dankte bloss sehr vielmal; als sie abersagte: „Oh, wenn ich mich nur nicht so geängstigt hätte,ich habe sonst einen recht langen Athem," da lobte ich sierecht tüchtig und mit dem besten Gewissen von der Welt,denn gerade die Stelle mit dem langen o am Scliluss hatte sieso gut gemacht und die nächsten drei Noten auf einen Athemherangebunden, wie man es selten hört, und darum amüsirtemich's doppelt, dass sie selbst davon anfing. Hierauf sangPrinz Albert: „Es ist ein Schnitter, der heisst Tod" und dannsagte er, ich müsste ihnen aber noch vor der Abreise wasspielen und gab mir als Themas den Choral, den er vorhinauf der Orgel gespielt hatte, und den Schnitter. Wäre esnun wie gewöhnlich gegangen, so hätte ich zum Schluss rechtabscheulich schlecht phantasiren müssen, denn so geht's mirfast immer, wenn es recht gut gelin soll, und dann liätt' ichnichts als Aerger von dem ganzen Morgen mitgenommen.Aber gerade als ob ich ein recht hübsches, frohes Andenkenohne allen Verdruss davon behalten sollte, so gelang mir dasPhantasiren so gut wie selten; ich war recht frisch im Zugund spielte lange und hatte selbst Freude daran; dass ichausser den beiden Themas auch noch die Lieder nahm, die dieKönigin gesungen hatte, versteht sich; aber es kam Alles sonatürlich hinein, dass ich gerne gar nicht aufgehört hätte;und sie folgten mir mit einem Verständniss und einer Auf-
Die Familie Mendelssohn. II. 13