Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
176
Einzelbild herunterladen
 

176

Neapel Iiis Berlin.

war eine verrückte Partkie und icli kann Gott danken, dasses ihm nicht geschadet."*)

Das schöne, herrlich kultivirte badische Land wurde mitgrossem Wohlgefallen durchflogen. Von Offenburg entschlossensich die Reisenden einen Abstecher nach Strassburg zu machen.

Tagebuch.

Wir fuhren nach Kehl, gingen von dort zu Fuss überdie Rheinbrücke, setzten uns in eine Karete und erreichtendurch die noch ziemlich lange Allee Strassburg und den Münster-platz. Der Münster ist das zierlichste dieser Art von Gebäu-den, aussen mit feinen Säulchen fast überladen, die sogar überdie grossen Fenster weggehn; inwendig sieht man, dass dieganzen Seitenwände aus mächtigen, breiten, bitnten Fensternbestehn, es ist wunderschön. An der Fagade, wie am fertigenThurm ist unsägliche Arbeit, doch glaube ich, dass er nochhöher hat werden sollen. Der Chor ist von innen abscheulichmodernisirt und die Orgel vor sechs Jahren mit einer Geschmack-losigkeit restaurirt, die dem 17ten Jahrhundert zum ewigenRuhm gereichen würde. Im Ganzen hat mir der RegensburgerDom einen noch grösseren Eindruck gemacht. Aber es istangenehm, den Münster zu den gesehenen Dingen zu rechnen;man hat so ein gutes Reisegewissen, wenn man solche Herrenpersönlich kennt. Nicht weit davon steht Erwin von Stein-bach's Haus, wovon vieles Alte erhalten ist und unter Anderneine Treppe, die ein wahrer Edelstein ist. Sie ist schnecken-artig gewunden und so um ihre Spindel gedreht, dass man vonunten bis oben durchsehen kann. Da sieht es nun aus, nichtwie ein Kunstwerk, am wenigsten wie ein Bauwerk, sondernwie ein phantastisches Naturprodukt, wie eine jener wunder-baren Muscheln, die thurmartig gewunden sind, unbeschreiblichschön. Die stützenden Säulchen durchschneiden des Geländer,welches sich astartig darum schlingt. Die Treppe ist üi ihrerArt ein eben so grosses Meisterwerk als der Dom."

*) Auf diese Rhigibesteigung, mit der Hensel unbarm-herzig geneckt wurde, bezieht sich die Unterschrift unter Felix',diesem Buch beigegebenes Portrait: ,,Ich ging mit meiner La-terne, und meine Laterne mit mir, Nachts um eins auf den Rhigi"