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Neapel bis Berlin.
mir auf's Lebhafteste, wir süssen alle um Deinen Tisch imSaal, liebe Mutter, und ich sagte eben: „Nun ist doch endlichder ersehnte Augenblick gekommen", — da wachte ich vomKnackeil und Krachen des Schiffes auf, der Tisch in der Ka-jüte fiel um, und ich befand mich schaukelnd und sehr unbe-haglich auf dem Mittelmeer. Ich werde mich lange meinerangenehmen Empfindung' beim Anblick der ersten Morgen-dämmerung erinnern. Kurz vor der Ankunft in Genua standich auf, die Stadt zu sehen, konnte mich aber nicht aufrechterhalten, sondern musste mich auf dem Verdeck legen undnur hin und wieder einen Blick hinaus thun. Die Stadt liegtherrlich, fast wie Neapel, hoch an die Berge hinangebaut." —
Tagebuch.
Genua, 16ten August.
„Gegen Abend ging ich mit Wilhelm und Sebastian inScirocco und Regen — wir haben hier noch keine Sonne ge-sehn —• ein wenig aus. Nach der Kathedrale, in lombardisch-germanischem Styl, den ich in meiner Kunstgeschichte, „uner-bärmlich" wie Walter in Heringsdorf sagte, den Zwillichstylnennen werde, von wegen Streifigkeit. Doch haben alle dieseFagaden irgend etwas Eigenthümliches. So diese die frei-stehenden Säulen an der Ecke. — Im Palast Brignole sindherrliche Gemälde. Ein Rubens entzückte Wilhelm, mir warer etwas zu unfläthig. Rubens selbst und seine Frau, von Satyrenund Faunen umgeben. Ein wunderschönes Bild des Palmavecchio, Anbetung der Könige, eins der schönsten, die ich vonihm kenne. Bildnisse von Tizian, Rubens und Vandyk; vonLetzterem ein lebensgrosser Reiter, der Marchese Brignole.Er scheint alle grossen Familien hier gemalt zu haben, in allenPalästen sind die Besitzer in ihrer lebensgrossen Behäbigkeitmit feinen,, weissen, herabhängenden Händen, stehend, sitzend,reitend, mit und ohne Kinder, in ungeheuren Halskragen, unddie Frauen in ziemlich unschönem Anzüge, der damals hiermuss Mode gewesen sein, von ihm abgebildet. Von da stiegenwir zur Villa Negri hinauf, mit wunderschöner Aussicht. DerMarchese Negri scheint nach genuesischer Art ein Patriot zu