132 Italien.
ein schöner Tag bevor, ein Gegenstück zur Villa Wolchonsky,icli will aber nicht eher etwas davon schreiben, bis er glück-lich vorüber ist; aus Neapel erzähle ich Euch davon, dennaus Rom wird-dies wohl der letzte Brief sein. Nein, Beckchen!wir geben nicht wieder vierzehn und noch einmal vierzehnTage zu, obgleich sie uns gestern bei Ingres fast todtgequälthaben, und uns eine Petition überreichen wollten, von derganzen französischen Akademie unterzeichnet, und obgleich esmir mein Mann anheimgegeben hat, und obgleich am IStenFrolmleichnamsprozession ist, und am 2lsten ein Tlieil derneuen St. Paulskirche eingeweiht wird! Wir haben Seelen-stärke und reisen ab; der Wagen ist schon reparirt. — Einst-weilen aber leben wir die himmlischsten Tage und Nächte,denn ich muss es nur sagen, wir schlürfen die Neige der köst-lichen Zeit so vollständig, dass wir nur ein Minimum vonSchlaf zu uns nehmen, und die halben Nächte mit Spazieren-gehen, oder Zeichnen und Musikmachen hinbringen. Ich kannes jetzt gar nicht gut unter Dach aushalten, selbst im Vatikanbin ich in Ewigkeit nicht gewesen, des Abends kann meinMann mich nicht in die Stube bekommen, noch auf der Schwelledes Hauses stehe ich still und graule mich vor Stubenluft.Habt aber keine Angst, wir sind weder nervös aufgeregt, nochabgespannt, sondern ganz ruhig und vollkommen gesund; undnur das Bewusstsein des nahen Endes ^dieser schönen Zeit, undzugleich die himmlische Luft lässt uns den Schlaf nicht ver-missen. Ach! wie schön ist das Leben! wie schade, dassman's alle Tage mehr abnutzt! Könnte man doch zu manchenTagen sagen: Halt! steh' eni bischen still, lass dich näherbesehen! -— Adieu, liebste Mutter, und liebste Geschwister,wahrscheinlich adieu aus Rom!" —
Tagebuch.
„Donnerstag 28sten Mai, Himmelfahrtstag. Früh gingWilhelm zu Soutzos*) und brachte ihm seine sehr schönen
*) Ein schöner junger Grieche, der in der letzten Zeit zu demintimeren Kreise gehörte.