Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
120
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Italien.

annehmen, niclit einmal die seinige, sondern will mit meineneigenen Angen sehen.

Donnerstag 7ten Mai verlebten wir einen herrlichenTag in Tivoli. Um 1 / 2 7 Uhr Morgens wurden wir von Paulsens,den Veranstaltern, abgeholt, Magnus und Buti waren ausser-dem mit. Im herrlichsten Wetter fuhren wir den durchausschönen Weg zur Porta San Lorenzo hinaus, immer dem Ge-birge zu. Ueber den Taverno, die Solfatara, die schöne BrückeLucano, mit dem Grabmal der Plautier, dem der Cacilia Metellaähnlich, den Berg nach Tivoli hinauf, durch einen schönenOelwald mit den groteskesten Stämmen, nach der Stadt. ImSybillentempel abgestiegen. Nach einem sehr guten Frühstückbestiegen wir den Esel (mein Mann muss mir bezeugen, dassich mich glorios aus der Affaire gezogen habe) und machtendie Tour, zuerst nach der grossen Cascade, betrachteten denWasserfall von allen Seiten, von oben und unten, und rittendann einen weiten und schönen Weg nach der anderen Seitedes Thals, wo man vou mehreren Punkten zugleich die Cas-caden, die Cascatellen, und die sogenannten Cascatellinen sieht;die letzteren stürzen aus den Bergen der Villa des Mäcen inbedeutende Tiefe und sind, sowie die Cascatellen, wunderschön.Der Weg geht immer durch den Oelwald, dann hinab ins Thalund über eine kleine Brücke wieder dem jenseitigen Ufer zu.Dann geht's die Höhe hinauf nach der Villa d'Este, in derdie wunderbarsten Cypressen stehen, die ich noch gesehen,unermesslich dick und hoch, und einige schöne Pinien, die Ge-bäude sind aber ziemlich zopfig, auch scheint das Ganze nierecht fertig geworden zu sein, gehört jetzt dem Herzog vonModena und befindet sich im Zustande der Verwesung. Dannbegaben wir uns zu Fuss hinunter nach der Grotte der Sirenen,ein etwas beschwerlicher aber sehr schöner Weg, einigermasseuappretirt, mit Geländern, Eulieplätzen, Aussichten, was mansonst hier zu Lande nirgends trifft, und ich fühle mich schongenug italiänisirt, dass mich dies wenig erbaut und ich diegewöhnliche italiänische Lüderlichkeit vorziehe. Dann hieltenwir im Freien, vor dem Tempel mit der Aussicht auf die Cas-cade, ein sehr gutes und angenehmes lustiges pranzetto; auf