Druckschrift 
2 (1880) 1835 - 1847
Entstehung
Seite
106
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106 Italien.

lieut am 25sten März schneit es seit vier Stunden dick, dick,und der Sclmee liegt auf Häusern und Strasse (denn es istmir nicht eingefallen, hei so hewandten Umständen andre sehnzu wollen, als die, worin wir wohnen) fusshoch. Nachdemwir, wie ich Euch oft geschrieben, fast den ganzen Winterhindurch das herrlichste Friililingswetter gehabt, so dassMäntel und Feuerung unnütze Meubles wurden, war es schonseit Anfang des Carneval kalt und sehr unangenehm, am21sten März aber, Frühlingsanfang, bildete sich ein, mit Re-spekt zu sagen, recht infames Berliner Märzwetter ans, kalteSonne, noch kälterer Wind, der Staub und Stroh und Unrathaus allen Winkeln zusammenwehte, und das will in Rom wassagen! So blieb es diese vier Tage über und hat sich dennheut endlich in besagten Schnee aufgelöst. Die Leute hier,die sich aus Allem ein Fest machen, jubeln den ganzen Tagauf der Strasse umher, schneeballen sich, lachen und schreien,liegen in den offenen Fenstern und sind ausser sich vor Ver-gnügen, Sebastian und mich hat es auch sehr amiisirt, meinarmer Mann aber ist ganz betrübt und ordentlich beschämt,dass sein Rom sich so aufführt, und macht fast ein ebensoklägliches Gesicht dazu, als das schon so nett bearbeiteteGärtchen und die mit Früchten beladenen Orangenbäume, diewir aus den hintern Fenstern sehn, und die vor der Hand mitSchnee ganz bedeckt sind. Eben aber bricht die Sonne hellund warm durch und wird wohl das fremde Unwesen nichtlange leiden.Aber die Sonne duldet kern Weisses."Von der Sonne gelockt, haben wir uns aufgemacht und ineinem Ungeheuern Schneepatsch mit Mühe die Höhe von Trinitade Honte erreicht, weiter konnten wir nicht dringen und hierhatten wir das seltsame Schauspiel des ganz eingeschneitenRoms. Mehrstündige Sonne und jetzt mehrstündiger Regenwaren noch nicht im Stande, die Dächer zu befreien, welcheaufs Tiefste mit Schnee bedeckt sind. Es soll ein hier uner-hörter Fall sein. So weitläufig schreibt man aus Rom übereinen Schneefall."

VI