Woringen's in Berlin. Sonntagsmnsiken. 41
einer freundschaftlichen Vereinigung- zu verlieren; denn eskam wohl vor, dass Anwesende, mitgebracht von kurz vorherseihst Mitgebrachten, sowohl Wilhelm als Fanny ganz unbe-kannt waren, sodass die Zuhörerschaft meistens aus andernals den Leuten bestand, mit denen sie eigentlich umgingen,und sich förmlich fremde Coterien bildeten; den Singenden bliebkaum Platz zum Stehn, geschweige zum Sitzen, und die Ueber-füllung der Räume steigerte sich ins Unerträgliche.
Mit Ausnahme der Sing-Akademie existirte damals keinsder Institute, die heut in so grosser Anzahl für die Aufführungguter Musik in Berlin sorgen, und die Sing-Akademie beeiltesich nicht allzusehr, neue oder unbekannte alte, gute Sachenin ihr Repertoir aufzunehmen.
Nach einigen Wochen eines sehr angenehmen Aufenthaltsmachten sich Woringen's wieder reisefertig: sie wollten überLeipzig zurückgelin, und bei dieser Gelegenheit kam dennFanny's Stimmung gegen die „Felicier 1 " zur Aussprache, dieauch in Briefen an diese selbst durchschimmert. So schreibtsie am 5. Oktober 37 an Cecile:
,,— —■ Ihr seid aber eigentlich recht böse Leute, dassIhr einem noch nicht einmal mit zwei Worten Eure Ankunftin Leipzig angezeigt habt. Wenn ich nun nur einmal vonFelix zu hören bekäme, dass er aus der Unruhe kommt; dieseewige Hetze, in der er Jahr aus Jahr ein lebt, macht mich,die ich mich in der tiefsten Ruhe befinde, athemlos, wenn ichnur daran denke. Das wird wohl eins der grossen Verdienstesein, die Du Dir um ihn erwerben wirst, liebe Cecile. VomBirmingham-Musikfest haben wir von allen Seiten gehört undgelesen. Ich glaube aber, nach allen Beschreibungen zu ur-theilen, dass ein rheinisches tausendmal hübscher ist. Wienobel und einfach ist so ein Düsseldorfer Musikfest, oder einHeidelberger, wo sie voriges Jahr die Jahreszeiten in derSchlossrnine aufgeführt haben. Allerdings ein gewagtes Unter-nehmen, aber wenn es gelingt, muss es einen reizenden Ein-druck machen. Auf Felixens Concert bin ich sehr neugierig,wird es bald gedruckt, damit man es doch auch kennen lernt?Wenn ich Felixens Sachen zuerst gedruckt gesehn, verhalte