Felix als Bräutigam.
31
garnichts. Hensel bekommt von mir, o du Malerin, ein Lothächten Ultramarin, der hier so übermässig theuer ist, dass ersich schon lange keinen angeschafft hat. — Heute Nachmittagnun muss ich poetisch sein, denn morgen ist keine Zeit mehrdazu, da muss aufgebaut werden."
Leipzig, ölten Decbr. 36.
Felix an Fanny.
„Liebe Fanny, diese Zeilen sollen Dir und Hensel meinenDank für Eure liebenswürdigen Albumbeiträge bringen undEuch sagen, wie Ihr mich dadurch erfreut habt. Hättet Ihrsehn können, wie meine Cöcile so froh darüber war, wie siedie lieben Blätter den ganzen Abend über nicht aus der Handliess und sie immer wieder betrachtete, so wäre darin der Dank
schon, und auch Ihr hättet Euch daran gefreut. 0 Fanny,
das war ein Weihnachtsfest für mich. So hab ich keins er-lebt, und werde es nicht wieder ; die glücklichsten, liebstenTage waren mir geschenkt, solche Tage, an denen einem dasLeben und Athmen wieder neue Freude und neue Dankbarkeitgiebt. Ich kann Euch aber das Alles nicht beschreiben, dennIhr kennt meine Cecile nicht, wäre das erst! — Man gab mirihr Portrait am Weihnachtsabend, aber da bekam mein Grimmgegen alle schlechten Künstler neue Nahrung, und ich warnahe daran, dem Maler, B. lieisst er, aus Wien, viele Grob-heiten zu sagen, und durfte es doch nicht, weil Mme. Jeanrenaudso gut gewesen war und hatte mir eine Freude machen wollen,und weil die Cecile so oft gesessen hatte. Und doch war'sschändlich. Wie eine geschmeichelte, gewöhnliche Mamsell salfsaus, und mit so groben Fehlern, dass der Mann ganz verblüfftwar, als ich ihm einige davon sagte, und sie mir alle gleichzugab. Es ist zu schlimm, wenn solch ein Kerl selbst da nichteinmal ein bischen poetisch, ich meine natürlich werden kann, undmit seinen affektirten, angenommenen Stellungen und mit weissemTeint und zarten blauen Aeuglein kommt, statt der dunkel-schwarzblauen und dem braunen und rothen Teint und der