Brief an Klingemann.
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gastfreundschaftlichen Häuser. Ach! es war doch schöneZeit! —
— — Eben bekomme ich den ersten Band Eckermannund will mich nun drin umsehn. Ich habe so lange nichtsNeues gelesen, was mir nur im Entferntesten zusagte, eigent-lich sind die meisten jetzigen Sachen gar nicht zum Lesen da,höchstens zum Blättern, zum Durchselm, es ist eüie Stille inder Litteratur eingetreten, wie sie, glaube ich, lange nichtgewesen ist."
7. Juni.
„Ich habe gestern den grössten Theil des ersten BandesEckermann bereits gelesen, mit grosser Freude, wie ich gerngestelm mag. Es scheint mir von allen Göthe'schen Nachlesenweitaus die bedeutendste, und zwar deshalb, weil der sie Bie-tende ein Mensch von rührend gewissenhafter Treue und einerseltenen litterarischen Anspruchlosigkeit ist. Wo er sichselbst darstellt, erblickt man unverkennbar einen äusserstbornirten, durch Göthe völlig absorbirten Menschen, der abergenau gehört und treu aufgeschrieben hat. Und so glaube ichdenn wirklich, dass es nicht leicht ein Göthe'sches Werk giebt,in dem er reiner, ursprünglicher dastände. Was mich sehrfrappirt, ist das Zusammentreffen mit mancher Meinung, dieVater zu äussern pflegte; es würde ihn unendlich erfreut haben,hätte er es gekannt. Auch dass es im Entferntesten keinKlatschbuch ist, gefällt mir sehr, es spricht für Eckermann'sCharakter, wie leicht hätte er sein Buch pikant machen können.Kurz, ich nehme meine Jeremiade für diesen Fall gern undvöllig zurück.*) — — Das Interesse an diesem wohltliuendenBüchelchen erhält sich bis zu Ende, und ich fühle mich dem\ erfasser, ich möchte sagen, persönlich verpflichtet, dass er
*) Es bezieht sich dies auf ein fortgelassenes sehr scharfesUrtheil über eine Publikation vo'n Varnhagen, dessen Schlusslautet: „Varnhagen wird noch allen Schaden stiften, den er inHänden hat, und ist er einmal todt, dann geht der Skandal erstrecht an, dann kommen seine Memoiren."