Erste Zeit in Leipzig.
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„— — Dr. Reiter kam ganz entzückt von Eurer Auf-nahme hier an; über Vater ist er in einem wahren Enthusias-mus. Dafür kann ich aber nicht verschweigen, dass Herr L.am meisten begeistert von Walter, dann von Sebastian, unddann erst von Deinem Klavierspiel sprach. Er sagte, Dusolltest eine reisende Künstlerin sein, Du würdest die Anderntodtspielen. Ich sagte: pourquoi? Denn mich fror sehr, eswar auf der Concerttreppe gestern Abend, und er wurdegarnicht fertig mit Erzählungen von Eurer Liebenswürdigkeit.
A. ist hier mit M. Wenn ich sagen sollte, dass er mireinen guten Eindruck gemacht hätte, so miisste ich's lügen.Ein rechtes Bild eines spekulirenden, geizigen Musikus — alsoein trauriges. Er ist auf kein ander Gespräch zu bringenals auf Geldsachen, auf Geldpläne und Geldverluste — undwär's noch sein eignes, aber so verdient er's mit der M., dieer deshalb vor 5 Jahren schon adoptirt hat, und die nun vonKopf bis Fuss nichts als eine Musikspekulation ist. Die magnun gelungen sein oder nicht, so ennuyirt's mich; mein Inter-esse an ihr könnte erst anfangen, wenn sie sich mit A. um'sGeld recht tüchtig zankte oder gar wegliefe, aber so ist's gar zujämmerlich. Sie soll übrigens schön singen und achtet michsehr — das hilft mir aber garnichts, wie gesagt.
Denk' Dir, Fanny, bei Wieck's Concert neulich hörte ichmeinem H-moll-Capriccio zum ersten Male zu (Clara spielte es,wie ein Teufelchen) und es hat mir .sehr gut gefallen. Ichwar eigentlich ganz verwundert darüber, denn ich hielt es fürein sein- dummes Ding, seit Du und Marx sehr darauf ge-schimpft, aber es klingt wahrhaftig lustig mit dem Orchester,es scheint mir lange frisch für ein Concertding. Ich glaube,es ist hübscher, als das aus Es, Du glaubst aber das Gegen-theil, glaube ich." —-
Dirichlet's, die während Hensels verunglückter franzö-sischer Reise eine sehr vergnügte durch Belgien nach Ostendegemacht hatten, brachten bei ihrer am 14. October erfolgendenRückkehr nach Berlin Felix und Mosclieles, der zum Besuchin Leipzig war, auf einige Tage mit. Fanny zählte sie immerzu den heitersten, ungetrübt glücklichsten, die sie je erlebt.