Die Töchter Moses Mendelssohns.
I V; '!
I
I
Dorothea, die älteste Tochter Moses' (im Jahre 1765 inBerlin gehören), ist durch ihre Ehe mit Friedrich Schlegelallgemein bekannt.
Ihr lebhafter Geist hatte sich durch die Anregung imelterlichen Hause und durch die Freundschaft mit HenrietteHerz und der Kahel zu höherer Durchbildung und Voll-kommenheit, als es ihrem Geschlecht gewöhnlich zu Tlieilwird, entwickelt. Es war ein gefährliches Geschenk, nament-lich da Moses Mendelssohn, so weit er auch seiner Zeit unddem Standpunkt des Judenthums vorangeschritten war, docheine nicht zu billigende Sitte desselben beibehalten zu habenscheint. Bei Eingehung der jüdischen Ehen wurde nämlichdamals selten der zu verlieirathende Mann, das Mädchen nieum seine Meinung gefragt; die Eltern bestimmten über dasSchicksal ihrer Kinder mit unumschränkter Machtvollkommen-heit. Das mochte auch in der gewöhnlichen Gattung jüdischerFamilien ganz gut gelin, da die geistige Entwickelung derMänner schon sehr unbedeutend, die der Weiber aber gänzlichNull war. Nun aber sollten die hochgebildeten TöchterMendelssohn's, die grosse Ansprüche des Verstandes und Her-zens zu machen gelernt hatten, in derselben Weise an Männer„vergeben" werden, wie die Töchter des ungebildetsten Händels-juden. Es existirt ein höchst merkwürdiger Brief Mendels-sohn's, der auf seine Denkweise über diesen Punkt ein helles