Zerwiirfniss mit Immermann. Paulus. 373
sem Punkte zu gross, und Immermann war durch Felix inseiner Liehlingssaclie gehemmt worden, er hielt ihn deshalbfür einen Abtrünnigen an dem verdienstlichen Werk der Er-richtung der Nationalbühne. — Rechnet man aber zu den bisjetzt besprochenen amtlichen Obliegenheiten, zu den vielen Con-zerten und Aufführungen im Singverein, in der Kirche, imTheater, noch die ausserdem an andern Orten gegebenen Con-zerte (von einer solchen Rundreise ih Elberfeld und Barmenhandelt ein sehr frischer, hübscher Brief), das Musikfest 1834in Aachen, das er allerdings nur als Zuhörer besuchte, und dabeiHiller und Chopin aus Paris traf,—(man hatte ihm nahe gelegt, sichum die Direktion dieses Musikfestes zu bewerben, was eraber grundsätzlich nicht tliat,) und das Musikfest in Köhl 1835,wovon schon gesprochen ist; rechnet man Alles dies, wassich schon in den Zeitraum von zwei Jahren zusammendrängte,so erscheint es wahrhaft erstaunlich, dass dies in Felixens Augendie Nebensachen waren, und dass ausserdem seine Thätigkeitals Komponist eine ausserordentliche blieb. Es fallen in dieseZeit das Es-dur-Rondo und das A-moll-Capriccio für's Piano-forte (1834), das E-dur-Capriccio und eine As-dur-Fuge (1835),viele Lieder ohne Worte und mit Worten, darunter „AufFlügeln des Gesanges", ferner die Ouvertüre zur schönenMelusine.
Und selbst alle diese verschiedenen und zum Theil sehrumfangreichen Arbeiten waren nur gewissermassen Vorstudie,um recht m Zug zu kommen, zu dem grössten Werk, das Felixbis dahin unternommen hatte, und dessen beinahe vollständigeBeendigung noch in die Düsseldorfer Zeit Rillt, zum Paulus.Zu diesem drängte und trieb ihn, den gewiss von Natur schonThätigen, fortwährend sein Vater, gleich als hätte er eineAhnung von der hohen Stelle sowohl, die Felix mit diesemWerk unter den Komponisten einnehmen sollte, als auch davon,dass ihm selbst nicht mehr vergönnt sein würde, die Auffüh-rung zu erleben. Dies Oratorium war nun Felix' Herzens- undGewissenssache, wogegen ihm alles Andre nebensächlich vor-kam. Wie ernst er es mit Allem, was sich darauf bezog,nahm, wie gründlich er mit den Predigern Bauer und Scliu-