326 1830-1834.
Ich aber fühlte mich gleich nach dem Concert so ermattet,so ausserordentlich angegriffen, dass ich, mühselig nach Hausegelangend, an garnichts mehr Theil nahm, seit vierundzwanzigStunden mich ausruhe, um heute hei dem grossen Diner nichtzu fehlen. Zu diesem wurde ich gestern durch eine Deputationdes Comite feierlichst eingeladen, sie hatten mich gestern imHause aufgesucht, und da ich schon fort war, so folgtensie mir in's Concert. wo denn während der Pause die Ein-ladung erfolgte. Ich bin also von jetzt an der Stadtrath undEingeladene.
Der musikalische Theil des Festes hatte also gestern ge-endet und heute wird dasselbe schliesslich ausgegessen. Eswaren ein Paar sehr schöne, mir unvergessliclie Tage, welcheder Zufall mir vergönnt und durch den Aufenthalt hier imHause erst recht erhöht und geschmückt hat, die ich zunächstFelix, dann Euch, die Ihr mich dazu beredet habt, schuldigund dafür sehr dankbar bin. Ueber das hiesige Haus kannich Euch nur erzählen, schreiben lässt sich nicht, was mirhier ward, und seit 1813 im Hause der Tante Arnstein inWien habe ich nichts erfahren, was sich damit vergleichenlässt. Und doch hat ja auch die Bigot gelebt, deren MutterFelix krank in ihr Haus genommen. Gastfreundschaft ist einegöttliche Sache und dass man solche in grossen Städten nichtausübt, vielleicht nicht ausüben kann, brandmarkt diese. Ichkann es wahrhaftig Zeune nicht mehr verdenken, als er, voneiner Eeise in diese Gegenden zurückkehrend, ganz Deutsch-land aufforderte, einen Bund der Gastfreundschaft zu schliessenund ärgere mich über mich selbst, dass ich in meiner gross-städtischen Verstocktheit dies bloss lächerlich fand. Freilich,wo sollte es herkommen? die einzige Veranlassung zu prak-tischer Ausübung jener göttlichen Gastfreiheit giebt uns derHof, indem er uns das Gefolge seiner eigenen Gäste zur Auf-nahme in die Freihäuser schickt; wir aber sagen mit Fug undEecht, zu solchen Gästen: „Drei Schritt vom Leibe!" — undgeben der Freihäuser-Kommission Vollmacht, in unserem Namengastfrei zu sein. — Es ist ein langes Kapitel. Von morgenan besehe ich hier Alles, was zu sehen ist, bespreche mich mit