308
1830-1834.
Choralmelodie zu flattern anfängt und oben in der Luft endigtund Alles sich in Klang auflöst, das ist wolil göttlich. Essind noch viele andere von gleicher Kraft da, aber sie sindbitterer, heut passt dieser grade und so schicke ich ihn undgriisse und küsse Dich und Hensel und wünsche, Ihr mögt mirso bleiben wie ich Euch.
Felix."
Demnächst ging er nach Paris.
Wenn ihm auch natürlich die wundervolle Natur Italiensund der Anblick der herrlichen Kunstschätze tiefen Eindruckmachte und machen musste, so wird Jedem beim Durchlesender Reisebriefe doch sofort klar, dass sein eigentliches Herz imNorden und zwar speciell in Deutschland war. Dafür ist derBrief an Zelter aus Paris vom löten Februar 1832 charak-teristisch, der aus den späteren Auflagen der Reisebriefe be-kannt ist.
Aber es war nicht allein der ihm mehr zusagende Zustandder Kunst, das ihn mehr anheimelnde Naturell der Menschenin Deutschland, was Felix diesem Lande so entschieden denVorzug geben liess, — auch zu der nordischen Landschaftfühlte er sich viel mehr hingezogen. So schreibt er aus Flo-renz: „Den Garten des Palastes (Pitti) habe ich gestern imSonnenschein gesehen; er ist herrlich und die unzähligen Cy-pressen, die dichten Myrthen- und Lorbeerzweige machenUnsereinem einen seltsamen fremden Eindruck; wenn ich abersage, dass ich Buchen, Luiden, Eichen und Tannen zehnmalschöner und malerischer finde als Alles dies, so ruft Hensel:„Der nordische Bär." — Und in einem Brief an Devrientschreibt er über die Schweiz: „Alle Träume und Bilder könnenDir nicht eine Ahnung von dem geben, was dies für eineSchönheit ist. Es ist auch so verschieden von allen Ländern,Alles so anders, von den Bergformen bis zu den Häusern, dassman es gesehen haben muss, um sich's zu denken. Wie jederBerg seinen eigenen Charakter hat und seine eigene Phy-siognomie, finster oder freundlich, alt oder jung, wie man derganzen Natur gegenübersteht und alle Jahreszeiten mit einem