Portraitsammlung Wilhelm Hensels.
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es fehlt an Rundung und Weiche, die Lichter sind mit Weissaufgesetzt. Man merkt der ganzen Zeichenart die frühere Be-schäftigung mit Radirungen an, es hat etwas von der Schärfeund Härte des Kupferstichs. Bald aber tritt der Gebrauchdes "Wischers und die Anwendung des weichen und immerweicheren Bleistifts ein und diese Zeichenart wird allmähligzu hoher Vollendung, namentlich in Verbindung mit Papierpelle und ausradirten Lichtern ausgebildet. Die Behandlungwird immer freier und genialer, der Strich tritt immer mehrzurück, die gewischte Fläche immer mehr in den Vordergrund,die Form wird nicht mein - durch umschreibende Linien, son-dern durch weiche Schatten dargestellt, namentlich die Be-handlung des Haares ist von grosser Schönheit. Es sindschliesslich kaum mehr Zeichnungen, sondern Gemälde, schwarzin schwarz. — So die Technik. Damit Hand in Hand gehteine grosse Veränderung in der Auffassung der darzustellendenMenschen, eine andere Ansicht von der Aufgabe des Portraits.In den ersten Bänden wird eine möglichst treue, wenn man sowill, daguerreotypai'tige "Wiedergabe des Gesichts erstrebt.Daher völlige Vernachlässigung alles Anderen, nur objektiveKopirang der Gesichtszüge. Allmälig aber tritt die individuelle,künstlerische Auffassung mehr in den Vordergrund, der zuPortraitirendo wird gewissermassen nur Rohmaterial, Motiv zueinem Bilde. Ist nun ein Gesicht recht charakteristisch, somachte Hensel auch wohl in den letzten Jahren ein voll-kommen treues Bild von ihm. Gewöhnlich aber gewinnteine idealisirende und namentlich verschönernde, verjüngendeRichtung die Oberhand — Fanny nannte das einmal treffend:„Wilhelm zeichnet eine Grossmutter in's Stechkissen." — DurchUmgebung oft landschaftlicher, oft symbolischer Natur (wiez. B. bei dem Astronomen Quetelet der gestirnte Himmel) sollder Charakter des Menschen näher bezeichnet werden, es sindauch hierin, wie in der Technik, mehr Bilder nach gegebenenMotiven, als Portraits, freie Phantasien auf ein Gesicht. Undbei alledem haben selbst diese, auf den ersten Anblick kaumähnlichen Zeichnungen das Eigentliüinliche, dass man sich im-mer mehr und mehr in sie hineinsieht, weil sie eben die ver-