Hocbzeitsbrief für Fanny.
261
in Einen verschmolzen hätten, wenn ich angefangen hätte,Euch zu schreiben, die fahren mir nun einzeln, unbestimmt undhalb wild umher und sind nicht zu ordnen. Aber es ist nunso, und wenn man täglich sieht, wie alle Kleinigkeiten, dieman sich ausmalt, durch die Wirklichkeit verschoben, ver-grössert oder vernichtet werden, so steht man vor einem wirk-lichen Lebensereigniss mit rechter Ehrfurcht und Demuth.„Mit Ehrfurcht", damit meine ich aber frisch und fröhlich undmit Vertrauen. Lebt und webt, heirathet Euch und seidglücklich, baut Euch das Leben zu, auf dass ich es schön undwohnlich finde, wenn ich zu Euch komme (und das geschiehtja nun recht bald), und bleibt Ihr dieselben, dann lasst esdraussen rütteln wie's mag; übrigens kenne ich Euch beideja, und somit gut. Ob ich die Schwester dann Fräulein oderMadame anrede, bedeutet wenig. Der Name thut wenig.
Freilich habe ich das nun gelernt, wie man doch auch aufskleinste Vorhaben mit Scheu hinsehn und sich über das kleinsteGelingen schon freuen müsse, denn auch dazu gehört ein Zu-sammentreffen des Glücks: aus Llangollen schrieb ich's Euch,wie mir die beiden ersten Tage ohne Klingemann zwei freu-dige geworden sind, Tage, vor denen ich mich seit dem Anfangder Heise fürchtete; Menschen, Gegenden, Stunden, auf dieich mich lange gefreut hatte, auf welche Alles gut und günstigvorbereitet war, denen nichts fehlte, was sich berechnen liess,gingen kalt, ungenossen, oft unangenehm vorüber; die kleinstenFreuden schlugen fehl aus Zufällen, grosse gelangen aus dem-selben Grunde, und Alles, Alles kam anders als ich es er-wartet, gewünscht, gefürchtet hatte; so ist mir es gegangenund wird auch so bleiben. Aber statt dass mich das furchtsamoder ängstlich machen sollte, macht es mich recht mnthig undwohl; und weit entfernt, desswegen nun an die kleinen Voraus-bestimmungen mit Besorgniss zu denken, gehe ich vielmehran grosse mit Zuversicht. Und somit auf Wiedersehn imWinter.
Viel Besseres liätt' ich wohl schreiben sollen, aber es gehteben nicht. Sagt, was Ihr wollt, der Körper hängt gar zueng mit dem Geiste zusammen; ich sah's neulich zu meinem