Erstes öffentliches Auftreten in England. 209
■einst mündlieh mittlieilen, ich werde sie nicht aus dem Ge-dächtniss verlieren, denn mir war Alles so neu und bewunde-rungswürdig-, dass es einen tiefen Eindruck auf mich gemachthat, der sich nicht leicht verwischen kann. Dass solche Herr-lichkeit in unserer Zeit wirklich bestehn könnte, hatte ichnicht geglaubt. Es sind das keine Gesellschaften, es sindEeste und Feierlichkeiten."
London, 26. Mai 1829.
„— — Als ich zur Probe meiner Symphonie in die Argyllrooms trat und das ganze Orchester versammelt fand, und gegenzweihundert Zuhörer, meistens Damen, aber lauter Fremde,und man erst die Symphonie von Mozart aus es probirte, umdann die meinige vorzunehmen, so wurde mir zwar nicht ängst-lich, aber sehr gespannt und aufgeregt zu Mutlie; ich gingwährend des Mozart'schen Stücks in Regent Street etwas spa-zieren und sah mir die Leute an; als ich wiederkam, warAlles bereit und man wartete auf mich. Ich stieg dann auf'sOrchester, zog meinen weissen Stock aus der Tasche, den ichmir ausdrücklich dazu habe machen lassen (der Riemer dachte,ich sei ein Alderman und wollte durchaus eine Krone daraufbefestigen), und der Vorgeiger Fr. Gramer zeigte mir, wie dasOrchester stände, die Hintersten mussten aufstehn, damit ichsie sehen könne, und stellte mich ihnen Allen vor, und wirbegrüssten uns, einige lachten wohl ein bischen, dass ein kleinerKerl mit dem Stocke jetzt die Stelle ihres sonst immer ge-puderten und perrückten Conductors einnähme. Dann ging'slos. Es ging für das erste Mal recht gut und kräftig und.gefiel den Leuten schon sehr in der Probe. Nach jedem Stückapplaudirte das ganze zuhörende Publikum und das ganzeOrchester (das zum Zeichen des Beifalls mit den Bogen aufdie Instrumente schlägt und mit den Füssen trampelt), nachdem letzten Stück machten sie einen grossen Lärm, und daich das Ende musste repetiren lassen, weil es schlecht gegangenwar, machten sie denselben Lärm wieder; die Direktoren kamenzu mir an's Orchester, und ich musste herunter, eine MengeDiener machen, J. Cramer war ganz erfreut und überschüttete
Die Familie Mendelssohn. I. H