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Leipziger Strasse Nr. 3.
liier heirathete Fanny und lebte aucli bis zuletzt liier. AllenMitgliedern der Familie war aber dies Haus nicht eiii gewöhn-licher Besitz, ein todter Steinhaufen, sondern eine lebendigeIndividualität, ein Mitglied, theilnelimend am Glück der Familie,es war ihnen und den Nächststellenden gewissermassen Reprä-sentant derselben. In diesem Sinne brauchte Felix oft denAusdruck „Leipziger Strasse 3" und in diesem Sinne liebtenalle das Grundstück und betrauerten seinen Verlust, als es nachFanny's und Felix' Tode verkauft und — das Herrenhaushineinverlegt wurde.
Die Strassenfront des Hauses ist noch dieselbe wie damals.Die Räume darin waren stattlich, gross und hoch mit jenerangenehmen Raumverschwendung gebaut, die in den Zeiten derhohen Grundstückspreise den Architekten fast ganz abhandengekommen und für deren Werth kaum mehr das Verständniss— oder die Mittel — vorhanden zu sein scheinen. Namentlichwar ein Zimmer nach dem Hof hinaus mit einem daranstossenden,durch drei grosse Bogen damit verbundenen Kabinet wunder-schön und zu Theatervorstellungen wie geschaffen. Hier wurdendenn auch viele, viele Jahre hindurch zu Weihnachten, Geburts-oder andern Festen die reizendsten von Witz und Laune spru-delnden Aufführungen veranstaltet. Für gewöhnlich war diesLea's Wohnzimmer. Man hatte aus den Fenstern desselbendie Aussicht auf den sehr grossen Hof, umgeben von niedrigenSeitengebäuden und geschlossen durch die einstöckige Garten-wohnung, über welche hinweg die Kronen der hohen Bäumeragten. Diese Gartenwohnung hatten Hensels von ihrer Ver-heirathung ab inne. Sie ist jetzt niedergerissen und hat demSitzungssaal des Herrenhauses Platz gemacht. Die Wohnunghatte im Winter grosse Uebelstände: sie war kalt, feucht, jedesZimmer war Durchgang und keins hatte Gegenhitze, da dasGartenhaus nur ein Zimmer tief war. Doppelfenster warendamals in Berlin grosse Seltenheit, diese Wohnung besass keineund täglich strömten von den gefrorenen Scheiben grosse Wasser-massen, die fortwährend aufgewischt werden mussten. Uebereine Zimmertemperatur von 13° kam es im Winter selten. Dafüraber war die Wohnimg im Sommer bezaubernd schön. Alle