Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
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Brief von Henriette.

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und zum lebendigsten Dankgefühl erhöht auf jenem gesegnetenBoden, in jener reinen Luft und in Gegenwart der grösstenund zugleich der lieblichsten Naturscenen. Ich erinnere michin diesem Augenblick nicht, in welcher Gegend der Schweizder Besitzer eines schönen Eigenthums an einer Stelle, vonwelcher man die herrlichste Aussicht geniesst, eine Säule mitder Inschrift hat errichten lassen:Völker lobet den Herrn!" Mir Sellien das vortrefflich.

Ich liebe Sie wahrlich noch besser, liebe Lea, nun Sie überdiese Reise Ihre Abneigung vor dem Reisen abgelegt haben.Es ist aber auch nicht möglich, sich etwas Angenehmeres zudenken, als Eime Einrichtung und Gesellschaft. Nicht wie Zi-geuner, aber wie Bürsten, die zugleich Dichter und Künstlerwären, reist Ihr! Wie werdet Ihr das wohlgeordnete, reicheBerner Gebiet, wie den dunkelblauen Genfer See mit seinerherrlichen Umgebung gefunden haben? Ich hoffe, Sie begnügensich, liebe Lea, den Mont-Blanc mit Ihrer Lorgnette aus ei-nem Fenster des Seclieron zu bewundern. Möchtet Ihr dochmeiner Meinung sein und die deutsche Schweiz vorziehen! Ichmag die hohe Einfalt jener Gegenden viel lieber. Sie habendoch wohl den Thuner See und Interlaken gesehen?

Es war mir sehr angenehm, in Ihrem Briefe an Ihre Mut-ter Manches über Beckchen zu lesen. Fanny Sebastiani undich, wir wollten eben Vorwürfe an Sie richten, dass Sie derKleinen nie erwähnen.

Nun, mein Felix! Du bist ja ein rechter Held! Deine Wan-derung von Potsdam nach Grosskreuz hat mich recht gerührt!Indessen hoffe ich, dass Du nach iiberstandener Probe Deinesselbstständigen Muthes und Deiner kräftigen Natur Dich dennochan irgend einem Rockzipfel hältst und Dich und die Deinigennicht mehr beunruhigst. Ich empfehle Dir ganz besonders ei-nen gewissen Kuchenbäcker in Bern, der hinter der Haupt-kirclie wohnt. Es ist kein Laden, sondern ein Zimmer imuntern Geschoss; Du wirst mir für diese Empfehlung danken,der Mann komponirt auf seine Weise herrliche Werke. KaufeDir die Taschen voll und verzehre sie an einem hellen Morgenauf der Plateform, wie sie's in Bern nennen, im Angesicht der