Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

122

Wilhelm Hensel.

liuss eines solchen Zimmer verzichten, und wenn Sie eine kleineVorstellung' von der Unruhe, dem Schmutz, dem Fracas undden ungeheuren Kosten hätten, die das leider viel zu grosseHaus uns noch täglich verursacht und bis spät in den Som-mer hinein machen wird, so würden Sie meinen Schauder beidem blossen Gedanken an neues Abreiben der Wände, an Kalk,Gerüste u. s. w. begreifen. Dazu finde ich in jetzigen Zeiten,wo alles Eigenthum flüchtig ist und höchst selten auf diezweite Generation gelangt, sich etwas Kostbares anmauern unddadurch unbeweglich machen zu lassen, einen wirklich unver-antwortlichen Eingriff in die Rechte der Nachkommen. Wasmeinem Bruder als Unverlieirathetem und im Lande der KünsteLebendem wohl anstand, wäre strafwürdig an meiner Stelle,die keines ihrer vier Kinder versorgt weiss. Wir leben auf ei-nem so liberalen Fusse und mein Hann hat eine so grosseFreude am "Weggeben, dass man uns unstreitig für viel rei-cher hält, als wir sind.

So viel Verdruss und Unruhe mir nun auch der Besitzunseres so äusserst kostspieligen Grundstücks verursachte, soist es doch vielleicht der Summe, die mein Mann hineingesteckthat und die sich weit höher belief als wir geglaubt, meisten-tlieils zuzuschreiben, dass sein Verlust in der jetzigen schreck-lichen Zeit nicht noch bedeutender geworden. Hier allein sind18 Häuser gefallen, worunter die festgegründetsten, in Leip-zig der berühmte Reichenbach, in London der auf viele Mil-lionen geschätzte Goldsclmiidt. Bekannte von uns sitzen imGefängniss, andere haben sich das Leben genommen; die Zer-störung, Mutlilosigkeit, der gegenwärtige Ruin und die trübeAussicht für die Zukunft sind nicht bange genug zu schildern.Rothschilds Wuth nach ungeheuren Geschäften wird es haupt-sächlich zugeschrieben, dass der Massstab in der handelndenWelt sich riesenmässig gesteigert hat und, wie alles auf diehöchste Spitze Gestellte, endlich sinken musste."

Hensel benutzte seine Zeit in Italien, von der er den über-wiegendsten Tlieil in Rom zubrachte, vortrefflich. Vor allenDingen war die Copie der Transfiguration eine nicht hoch ge-nug zu schätzende Schule für den Maler. Die Arbeit an der