Briefe von Lea Mendelssohn.
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alles beweist zu meiner Freude aufs Neue, dass Sie sicli denersten, reinsten aller Künstler zum Ideal ausersehen. —"
Berlin, 6. März 1826.
„Den besten Dank für das beste, reizendste Bildchen!die Köpfe der Muse und der Spliinx sind so ausdrucksvoll, alsman es in so kleinem Räume nicht ausführbar glauben sollte.Wir shid aber sämmtlich zu dumm, den verborgenen Sinn desRäthsels zu entziffern, obwohl jede Person und jedes Attributvollkommen deutlich erscheint. Kolorit, Grnppirung, Anordnungsind höchst anmntliig und graciös. Dass Sie meinem LieblingRaphael stets nachstreben, sehe ich wieder daran, und be-wundere die Tiefe der dunkeln Augen, die sich trotz des sehrkleinen Raumes offenbart. Herzlich wünschte ich aber, dassSie Ihre Zeit nicht durch so viele kleine Arbeiten zersplitterten..Doch, Sie müssen am besten beurtlieilen, wie die Eintheilungund Fortsetzung des Angefangenen am füglichsten zu bewerk-stelligen sei und welche Ruhepunkte der Künstler sich in denZwischenräumen zu gönnen habe. —
Vielen, vielen Dank auch für alle Mühe beim Ordnen derBartlioldy'schen Sammlungen. *) Wäre dies Chaos nur erstentwirrt! der Bericht über das Ablösen der Fresken ist sehrinteressant. Aus vielen Gründen werden wir aber keinen Ge-brauch davon machen. Die Kosten wären für uns nicht alleinbei Weitem zu bedeutend für eine Liebhaberei, aber die Schwie-rigkeit, derart grosse Bilder zu placiren, muss auch berück-sichtigt werden und, unter uns gesagt, so interessant dieFresken als Versuche und Erstlingsblüthen sein mögen, bleibtdoch die Frage, ob sie den Aufwand von Geld und Mühe ver-dienten. Kurz, lassen Sie uns nichts mehr davon erwähnen,ebensowenig als von Frescobildern in unserem Hause hier-Wenn ich auch Ihre gütige Absicht mit Dank erkenne, so müs-sen Sie doch einsehen, dass das Genre solcher kostbaren undzeitraubenden Ausschmückungen schlechterdings nicht für einBürgerhaus passt; zuerst miissten wir jahrelang auf den Ge-
*) Bartholdy war kurz vorher gestorben.