Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
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Henriette Mendelssohn.

das hätte ich mir allerdings immer sagen sollen, vielleichthabe ich mir es auch zuweilen gesagt, aber wie ganz andersdringt die Wirklichkeit ein! danken Sie Gott, liehe Schwester,dass Sie dies nie empfinden werden, dass die Versorgung IhrerFanny eine für Sie neue, ungetrübte Freude sehi wird.

Fanny's Bräutigam ist der Sohn des Herzogs von Choiseul-Praslin ein junger Mensch von 19 Jahren, der noch voretwa drei Monaten auf keine Weise an irgend eine Heirathdachte, sondern sich zur Ecole polyteclmique vorbereitete, wo ereben eintreten sollte. Die Furcht vor der Heirath mit demSohn des Herzogs von Fitz-James, ein verdorbener, ausschwei-fender, junger Mensch, und die Schwierigkeiten, die sich denWünschen anderer Bewerber entgegenstellten, brachten einigeFreunde des Hauses, die zugleich den Herzog kannten, darauf,diesem den Vorschlag -zu thun, Fanny für seinen Sohn zufordern. Er war es sogleich zufrieden, der junge Mensch,der Fanny wohl schon gesehen hatte, auch und so kamdenn die Verbindung zu Stande. Im September wird die Heirathvollzogen, und an demselben Tage reisen die jungen Eheleuteauf ein Gut ihrer Aeltern, das Sie, liebe Schwester, sehr gutaus den Briefen der Sevigne kennen. Es ist dasselbe Schloss,das der Surintendant Fouquet mit so ungeheurem Aufwändehauen liess, und wo er selbst bei einem Fest, das er Ludwig XIV.gab, verhaftet wurde. Durch die Genealogie der Frauen istdies ungeheure, halbverwüstete, mir sein- widrige Schloss jetztin der Familie Praslin. Noch sind die Zimmerverzierungendieselben, man sieht überall an den Wänden Eichhörnchen(Fouquets Wappen) gemalt, die von zischenden Schlangen ver-folgt werden. Diese waren bekanntlich in Colberts Wappen.Die Bettvorhänge des Herzogs von Praslin sind dieselben, unterdenen Ludwig XIV. schlief, wenn er eine Nacht in Vaux zu-brachte. Aber trotz allen diesen Alterthümlichkeiten ist dasSchloss verwüstet, und erfordert jährlich mehr als 20,000 Francs,um nur nicht ganz zu verfallen. Ich kenne nichts unfreund-licheres, als ein so grosses Gebäude im altfranzösischen Styl,mit seinen Terrassen, Vorliöfen, Gittern und Brücken, wennes nicht durch zahlreiche Bewohner und Dienerschaft belebt