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Henriette Mendelsolm.
wiedergäbe. Bisweilen traten auch, wenn der Boden sicherwar, die politischen Meinungen olme Scheu hervor, und dawar es merkwürdig, welche Kenntniss der geheimsten Ver-hältnisse und Thatsachen hier von stillen Privatpersonen oftüberraschend dargelegt wurde, eine Kenntniss, nach welcherich die Diplomaten nicht selten mit äusserster Anstrengungund doch vergebens jagen sah. Die näheren Ursachen derEntlassung Fouclie's, die Bänke des nachher so berüchtigtenOuvrard und was sonst damit zusammenhing, alles wurde hierin grösster Genauigkeit mitgetlieilt.
Lieber als die gesellschaftlichen Abende waren mir dieeinsamen, wo ich Fräulein Mendelssohn ganz in ihrer Häus-lichkeit traf, und in deutscher Sprache nur deutsche Gegen-stände besprochen wurden. Die Fenster ihres Salons warenvon aussen mit Weinlaub dicht überkleidet, welches zugleichder Sonnengluth wehrte und die Abendkühle milderte; hin-ter solchem Vorhange sassen wir auf dem niedrigen Fenster-brett bisweilen stundenlang, und riefen die theuren Bilder desVaterlandes hervor, die gemeinsamen Freunde und Bekannten,deren sich immer mehr fanden, die uns liebsten Erscheinungender Poesie und Kunst, und oft auch wurden die höchsten An-liegen der Menschen der Stoff unserer Betrachtung.
Fräulein Mendelssohn huldigte durchaus der Vernunftund wies alle anderen Quellen der Erkenntniss entschieden zu-rück. Ilme Liebe zu Frau von Schlegel war getrübt, seitdiese mit ihrem Manne katholisch geworden war; sie hatteBechenschaft über diesen ihr ganz unbegreiflichen Schritt vonder Schwester gefordert und nicht erhalten, sondern nur dieeifrige Mahnung, sich ebenfalls der römischen Kirche in dieArme zu werfen, eine Zumuthung, welche nur mit Unmutliverlacht und ein für allemal verbeten worden. Ich musstegenau erzählen, was ich von den Neubekehrten wusste, wieich mir die Sache vorgegangen dächte, welche Erklärungensich dafür annehmen Messen, denn dass ein Geist wie Friedrichvon Schlegel sich bMndlings dem Glauben der römischen Kircheergeben könne, schien so wenig möglich, als ihm bloss irdischeTriebfedern Schuld zu geben."