Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
Entstehung
Seite
50
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sie sammt ihrem Gatten und Solm Philipp auf der Rückreisevon Paris in Kölln zur katholischen Religion übertrat. Später(181819) lebte sie bei ihren Söhnen, die sich der Malereiwidmeten, in Rom, und verkehrte dort viel in dem HumboldtschenKreise. Den Rest ihres vielbewegten Lebens brachte sie inFrankfurt a.M. zu, woselbst Friedrich Schlegel östreichischerLegationsrath bei der Bundestagsgesandtschaft geworden warund bis zu seinem Tode 1829 blieb, ßie starb im Jahr 1839.

Moses Mendelssohn's zweite Tochter, Recha, wurde an denMecklenburgischen Hofagenten Meyer verheirathet. Auch dieseEhe war keine glückliche und wurde nach einiger Zeit auf-gelöst. Recha gründete dann eine Pensionsanstalt für jungeMädchen in Altona und lebte später in Berlin in naherBeziehung zu ihrem Bruder Abraham. Sie war eine geistvolle,kluge, leider aber sehr kränkliche Frau.

Die dritte Tochter, Henriette, blieb unverheiratliet, lebtein den ersten Jahren dieses Jahrhunderts in Wien, ging, wahr-scheinlich durch ihren Bruder Abraham veranlasst, nach Paris,und leitete hier ebenfalls eine Pensionsanstalt in dem grossenGarten des Fouldschen Hauses.

Varnhagen v. Ense schildert ihr dortiges Leben im Jahre1810*) folgendermassen:Nach dem vielfachen Tagesgewirr,und wenn weder Frascati noch eines der Theater besuchtwurden, oft auch schon vom frühen Nachmittag an, gewährtemir ein Garten in der Eue Richer den traulichsten, be-ruhigendsten Aufenthalt. Dort wohnte in einem GartenhauseHenriette Mendelssohn, die sinnvolle, feingebildete Schwesterder Frau v. Schlegel, und leitete eine Pensionsanstalt kleinerMädchen. Sie selbst war unansehnlich, etwas verwachsen,aber dennoch eine Erscheinung, von der man sich angezogenfühlte, so sanft und doch so sicher, so bescheiden und dochzuverlässig war ihr ganzes Wesen. Sie hatte scharfen Ver-stand, ausgebreitete Kenntnisse, helles Urtlieil und dabei diefeinste Weltsitte, den erlesensten Takt. Mit der Litteratur

*) Denkwürdigkeiten des eigenen Lebens von K. A. Varnhagenv. Ense. 3. verm. Aufl.

Dorothea Mendessohn.