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Joseph Mendelssohn.
fruclibaren Art des Witzes übe. Der Hissgeschmack den eralso an dem Unterricht seines Lehrers fand, brachte ihm eineAbneigung gegen das ganze Studium bei. In den solidenWissenschaften macht er übrigens gute Fortschritte, dringttief ein, und schaut mit festem, forschendem Blick umher;thut aber niemals grosse Sprünge, wie von einem jungen,feurigen Kopf erwartet werden könnte. In Absicht auf seinekünftige Lehensart haben wir noch nichts bestimmt. Ich binnoch immer ungewiss, wozu ich ihm ratlien soll. Seme Talente,und guten Anlagen zu den gründlichen Wissenschaften lassenin diesem Fache etwas vorzügliches von ihm erwarten. AlsJude aber kann er blos Arzneikunst treiben, und zu dieserhat er weder Lust noch Genie. Ihn der Handlung zu widmenist, wie mich dünkt, noch zu früh. Er mag also vor derHand alles lernen, wozu er Lust und Trieb empfindet. ZumKaufmann wird er dadurch wenigstens nicht verdorben. Ei-nlache es allenfalls, wie sein Vater es hat machen müssen:stümpere sich durch, bald als Gelehrter, bald als Kaufmann,ob er gleich Gefahr läuft, keines von beiden ganz zu werden.
So gern er übrigens denkt, und so richtig: so träge undlangsam ist er zum Schreiben. Gut und gründlich ist Alles,was er aufsetzt. Er ergreift aber nur selten die Feder: nuralsdann wenn er etwas hört, oder selbst denkt, das ihm vonWichtigkeit scheint. Auch freundschaftliche Briefe gelingenihm; aber er schreibt sie nur alsdann, wenn sich ihm neueGedanken anbieten, die ihm fruchtbar scheinen. Die Uebung,seine Gedanken niederzuschreiben, wird in unserer besten Er-ziehung melirentheils vernachlässigt. Mir selbst ist es
noch allezeit Arbeit, so oft ich meine Gedanken in Schriftverwandeln soll.
Meine übrigen Kinder schlagen alle vor der Hand so ein,wie wir es vermuthet und grösstentlieils gewünscht hatten„nicht lang und nicht kurz, nicht weise und nicht thöricht",*)bis auf meinen kleinsten Nathan, der sich den Weisen nennt,und dessen Weisheit noch vor der Hand darin besteht, dass
*) Jüdisches Sprichwort.