Joseph Mendelssohn.
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häufig Nachrichten über die Kinder vor; so schreibt er überJoseph, den Aeltesten: *) Sie wollen wissen, wie es mit meinemSohne, Ihrem Schüler steht? Ich muss Ihnen sagen, dass ichmit seinem Fleisse zufrieden bin; er macht auch ziemlicheProgressen. Wieviel er in diesem oder jenem Buche gelernthat, darauf sehe ich so genau nicht; genug, er denkt, unddenkt richtig und tief. Auch sein Geschmack fängt an sichzu bilden. Worüber ich zu klagen habe, ist das Unbiegsamein seinem Charakter, das Unsanfte in seinem ganzen Wesen,das ihn zwar nicht unsittlich, aber doch ungefällig macht, undauf sein künftiges Glück wenigstens eine schlimme Wirkimghaben kann. Sie kennen ihn: er war immer von einer Ge-müthsart, die zehnmal eher bricht als biegt; und so ist ernoch. Alle meine Bemühungen sind bisher ohne Wirkung.Er ist sogar sophistisch genug, gegen alle seine Freunde dieihn (wiewohl sehr wider meinen Willen) zuweilen aufzielm,seine Schwachheit durch Gründe zu behaupten. Ich gebe fastdie Hoffnung auf, ihn von dieser Seite gebessert zu sehen,wenn er nicht das Glück hat, einem Frauenzimmer zu Gefallensich etwas mehr Gewalt anzutliun." — Und an einer andernStelle: **)
„Mein Joseph hat sein hebräisches Studium sogut alsan den Nagel gehängt. Unglücklicherweise war er unmittelbarnach Urnen einem Geleimten in die Hände gekommen, der einleerer Meister in der Disputirkunst war, und so sehr auchJoseph den Scharfsinn liebt und dem Disputiren ergeben ist,so hat er doch für die eigentliche „Haarspalterei"***) keinenSinn. Es gehört, wie Sie wissen, eine ganz besondere Artdes Unterrichts dazu, an dieser Geistesübung Geschmack zufinden; und wiewohl wir Beide diesen Unterricht selbst genossenhaben, so kamen wir doch darin überein, dass Joseph lieberetwas stumpfsinniger bleibe, als dass man ihn in einer so un-
*) Moses Mendelssohn's gesammelte Schriften. Bd. "V. S. 670.
**) A. a. 0. Bd. Y. S. 673.
***) So lässt sich wohl das im Original gebrauchte hebräischeWort wiedergeben.