Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
Entstehung
Seite
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Moses Mendelssohn.

Bertliold Auerbach berichtet in seinem BuchZur gutenStunde" nach mündlicher Ueberlieferung die Art, wie Mosesseine Frau gewonnen habe, folgendermassen:

Moses Mendelssohn war im Bade Pyrmont. Hier lernteer den Kaufmann Gugenheim aus Hamburg kennen.RabbiMoses," sagte dieser eines Tages,wir Alle verehren Sie, aberam meisten verehrt Sie meine Tochter. Mir wäre es dashöchste Glück Sie zum Eidam zu haben; besuchen Sie unsdoch einmal iu Hamburg."

Moses Mendelssohn war sehr schüchtern, denn er wartraurig verwachsen. Endlich entschloss er sich doch vonBerlin aus zur Reise und besuchte unterwegs Lessing in Braun-schweig, wie ni dessen Briefen zu lesen.

Mendelssohn kommt nach Hamburg und besucht Gugen-heim in seinem Comptoir. Dieser sagt:Gehen Sie hinauf zumeiner Tochter, sie wird sich freuen, Sie zu sehen, ich habeviel von Ihnen erzählt."

Mendelssohn besucht die Tochter; andern Tags kommter zn Gugenheim und fragt endlich, was die Tochter, die eingar anmutliiges Wesen sei, von ihm gesagt habe ?

Ja, verehrter Rabbi," sagt Gugenheim,soll icli's Ihnenehrlich sagen?"

Natürlich!"

Nun, Sie sind ein Philosoph, ein Weiser, ein grosserMann, Sie werden es dem Kinde nicht übel nehmen; sie hatgesagt, sie wäre erschrocken, wie sie Sie gesehen hat, weilSie"

Weil ich einen Buckel habe?"

Gugenheim nickte.

Ich habe es mir gedacht, ich will aber doch bei IhrerTochter Abschied nehmen."

Er ging hierauf in die Wohnung und setzte sich zu derTochter, die nähte. Sie sprachen gut und schön miteinander,aber das Mädchen sah nicht von ihrer Arbeit auf, vermied,Mendelssohn anzusehen. Endlich, da dieser das Gespräch ge-schickt so gewendet, fragt sie: