Praktische Thätigkeit.
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verboten war, hielt es ihn allein aufrecht, dass er wenigstensim Geschäft arbeiten durfte: absoluter Miissiggang wäre für.ihn der Tod gewesen. Ausserdem aber darf man wohl diesemharten Untergrunde seiner geistigen Thätigkeit das Praktischeder Letzteren, die Rücksicht auf das erreichbar Mögliche, dieAnwendung der zweckdienlichsten Mittel zuschreiben, Eigen-schaften, die Mendelssohn so charakteristisch sind. Die kauf-männische Thätigkeit ist allem Verschwimmen in phantastische,luftige Gebiete feindlich; sie gab ihm Kenntniss der Menschen,wie sie wirklich sind, und der Mittel, mit denen man auf dieMenschen wirkt. Es ist sehr fraglich, ob Mendelssohn, wäreer nicht als Kaufmann mit dem Leben in Verbindung geblieben,dem „Mann von Stande" mit seinem palästinensischen Projekteine so praktische, abweisende Antwort gegeben, oder ehrenSatz, wie den folgenden, geschrieben haben würde: „Ich binmir nur garzusehr bewusst, wie wenig Einfluss meine Worteund Vorstellungen auf den grossen Haufen haben. Mein Wirkungs-kreis ist von jeher auf wenige Freunde eingeschränkt gewesenund hat sich, seitdem ich Kinder zu bilden und zu erziehenhabe, noch enger zusammengezogen. Ausserhalb dieser Sphärehabe ich und suche ich keinen Einfluss. Ich fühle die Schrankenmeiner Kräfte und halte mich innerhalb derselben ruhig undstille, weil ich meinem Maass doch nichts zusetzen kann." —Mendelssohn war klein, stark verwachsen, er hatte einenHöcker auf dem Rücken und stotterte; aber der geistvollekluge Kopf, von dem Lavater jene lebendige Schilderung ent-worfen, entschädigte dafür, wie so oft bei Verwachsenen.Körperliche Schönheit ist ein vortrefflicher Empfehlungsbriefim Umgang mit Menschen, aber mehr nicht, und es sind schliess-lich andere Eigenschaften, die dauernd fesseln, wie uns Mendels-sohn mit seiner grossen Beliebtheit in den weitesten Kreisen,mit der unwandelbaren Freundschaft, die ein Lessing für ihngehabt, beweist. Aber er erfreute sich nicht nur der Zuneigungaller mit ihm in Berührung kommenden Männer, sondern warauch sehr glücklich verlieiratliet: Auf einer Reise nach Hamburglernte er im Jahre 1762 Fromet, die Tochter des AbrahamGugenheim, kennen, und heirathete sie im folgenden Jahr.