Lessing.
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Leuten zu bezeugen pflegt, dass sie ihr auch garnichts rechtmachen, ist, wenn nicht tödtend, doch erstarrend. Dass Ihnennicht alles gefallen, was ich seit einiger Zeit gescln-ieben, daswundert mich garnicht. Ihnen hätte garnichts gefallen müssen,denn für Sie war nichts geschrieben. Höchstens hat Sie dieZurückerinnerung an unsere besseren Tage noch etwa bei derund jener Stelle täuschen können. Auch ich war damals eingesundes, schlankes Bäumchen und bin jetzt ein so fauler,knorrichter Stamm! Ach lieber Freund! Diese Scene ist aus!Gern möchte ich Sie freilich noch einmal sprechen!"
Das schönste Denkmal aber hat Lessing dem Freunde inseinem Nathan dem Weisen gesetzt. Theilweis hervorgerufenmag es sein durch die Lavater'sche Zumutliung an Mendelssohn,Christ zu werden. Die meisten Figuren im Nathan sind ausdem Mendelssohn'schen Kreise unverkennbar entnommen, vorallen Dingen ist die edle, massvolle, milde und ruhige Persondes Nathan selbst das getreue Bild Moses Mendelssohn's. DerDerwisch'ist einem jüdischen Lehrer, Wolf, der oft in's Mendels-sohn'sche Haus kam und die Kinder unterrichtete, nachgebildet;und Joseph, der älteste Sohn Moses', meint, die Parallele liessesich noch viel weiter fortsetzen.
Auch Mendelssohn hatte vor, nach Lessing's Tode demFreunde ein seiner würdiges litterarisches Denkmal zu setzen; eswurde leider nicht vollendet, und der schöne Plan, zu dem er be-rufen gewesen wäre wie Keiner, blieb liegen. Nur eine kurzeCharakteristik Lessing's haben wir in einem Briefe an Hennings:„Mich beschäftigt jetzt der einzige Gedanke: Lessing's Tod.Er macht mich nicht traurig, nicht tiefsinnig; aber er ist mirimmer gegenwärtig, wie das Bild einer Geliebten. Ich schlafemit ihm ein, träume von ihm, wache mit ihm auf, und dankeder Vorsehung für die Wohlthat, die sie mir erzeigt hat, dassich diesen Mann so frühzeitig habe kennen lernen, und dassich seinen freundschaftlichen Umgang so lange genossen habe.Die Welt kennt seinen schriftstellerischen Werth, Wenige aberkennen seinen freundschaftlichen Werth, ja ich finde, dass seinmoralischer Werth überhaupt von Vielen sogar misskannt wird.Auch die Begriffe von Tugend und Sittlichkeit sind der Mode