Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
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Moses Mendelssohn.

unterworfen, und wer sich nicht nach den Modebegriffen seinesJahrhunderts schmiegen kann, der wird von seinen Zeitgenossenverkannt und verschrieen. So viel scheint mir indessen ausserallem Zweifel zu sein: Wenn irgend ein Mensch besser war,als er sich in seinen Schriften zu erkennen gab, so war esLessing. Die am meisten wider ihn eingenommen waren,wusste er in einer Stunde persönlichen Umgangs zu gewinnen,und gleichwohl ist ihm meines Wissens nie. eine geflissentlicheSchmeichelei aus dem Munde gegangen; ja er hatte sogar die -wie soll ich es nennen? Bizarrerie, ein abgesagter Feindvon der äusseren Höflichkeit zu sein. Seine gesellschaftlichenTugenden bestanden vielmehr in ächter Theilnehmung, auf-richtiger Dienstbeflissenheit, in der äussersten Entfernung vonEigennutz und Eigendünkel, und in der milden Bereitwilligkeit,einem Jeden mit seinem Reichthum an Begriffen so zuvorzu-kommen, dass man sich in einer Unterredung mit ilnn allezeitscharfsinniger glaubte, als man wirklich war, ob man gleichnicht unterlassen konnte, dessen Ueberlegenheit innerlich rechtsehr zu fühlen. Sarkastisch und bitter gegen jeden Geck,der sich die Wahrheit allein gefunden zu haben einbildete,war er liebreich und bescheiden gegen Jeden, der Wahrheitsuchte, und zu allen Zeiten bereit, ihm mit seinem Vorratliezu dienen."

Zum Abschluss des schönen Freundschaftsbündnisses derbeiden Männer finde hier noch der Brief einen Platz, denMendelssohn bald nach Lessing's Tode an dessen Bruder schrieb:Nicht ein Wort, mein Bester, von nnserm Verluste, von dergrossen Niederlage, die unser Herz erlitten! das Andenken desMannes, den wir verloren, ist mir jetzt zu heilig, um es durchKlagen zu entweihen. Es erscheint mir nunmehr in einemLichte, das Ruhe und erquickende Heiterkeit auf die Gegen-stände verbreitet. Nein! ich rechne nicht mehr, was ich durchseinen Hintritt verloren. Mit gerührtem Herzen danke ichder Vorsehung für die Wohlthat, dass sie mich so früh, inder Bliitlie meiner Jugend hat einen Mann kennen lassen, dermeine Seele gebildet hat, den ich bei jeder Handlung, bei jederZeile, welche ich hinschreiben wollte, mir als Freund und