Lavaterstreit.
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Welt zu zermalmen. Mendelssohn hatte immer Streitigkeitenreligiöser Art vermieden, und nun wurde ihm eme solche öffent-lich aufgedrungen, in der er nicht schweigen konnte und durfteund wenn er sprach, nothwendig das Christenthum angreifenmusste. Welche unangenehmen, für seine Lage wirklich ge-fahrlichen Streitigkeiten waren zu befürchten, wenn er offensprach. Wie durfte er aber anders als offen sprechen, wenner nicht seine heiligsten Ueberzeugungen verläugnen wollte?
— Der Lavater'sche Schritt ist nur aus religiösem Dünkel er-klärlich: Lavater liebte Mendelssohn wirklich, er hatte diegrösste Achtung vor ihm, dem bedeutenden Schriftsteller, demvortrefflichen Menschen, glaubte aber steif und fest, ein solcherMann müsse ganz gewiss schon heimlich und innerlich Christ,wenigstens den Heilswahrheiten der „allein selig machendenReligion" zugänglich sein und es fehle ihm nur eine passendeGelegenheit, dies auszusprechen. Nach dem Ruhme, solcheGelegenheit zur öffentlichen Erklärung ihm gegeben zu haben,die Mendelssolxn'sche Bekehrung sich zuschreiben zu können,eine solche Seele dem Himmel zugeführt zu haben, geizte er
— es kam anders, als es sich Lavater und die Lavater'sclienChristen gedacht hatten! Mendelssohn antwortete — antwortete,dass er ein Jude aus innerster Ueberzeugung sei, dass dieBonnet'sclien Lehrsätze ihn durchaus nicht irre gemacht, ja,dass er sich getraue, mit solchen Beweisen jede geoffenbarteReligion zu vertlieidigen; er stürmte nicht vernichtend, wieLessing gethan haben würde, aber er liess so siegreich, somilde, so überzeugend die Sonne seiner klaren Vernunft strahlen,dass seinem Gegner der Mantel der christlichen Liebe von denSchultern sank, — der Triumph der Mendelssolm'schen Sachewar entschieden. Lavater sah zu seinem Schrecken, welchesUnrecht er begangen, und bat auf das Reumüthigste ab; dieGegner blieben fortan gute Freunde. Aber eine Anzahl klein-licher Geister, die sich theils in der Erwartung pikanter Ent-hüllungen gefreut, theils auf die sichere Demüthigung desgehassten Juden gehofft hatten, nahm jetzt imberufen an demStreit Tlieil und fiel über Mendelssohn her. Indessen sahensie sich in ihren Hoffnungen getäuscht: Mendelssohn hatte