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Moses Mendelssohn.
gewohnten Sitte oder Unsitte zum Sacrilegium: richtig Deutschsprechen, Lesen eines deutschen Buches war Ketzerei.
So lagen die Verhältnisse, als Moses Mendelssohn am6. September 1729 gehören wurde. Sein Vater Mendel Dessauwar hei der jüdischen Gemeinde in Dessau als Schreiber undLehrer an der Primärschule angestellt, d. h. er war ein armer,in untergeordneter Stellung lebender Jude in einer kleinenStadt eines mitteldeutschen Kleinstaats. Es ging sehr küm-merlich im Hause zu; aber der alte Mendel gehörte wenigstens,soweit es im damaligen Judenthum möglich war, zu den Ge-bildeten mid hielt den Sohn mit eiserner Strenge zum Lernenan. Kaum fünf Jahr alt, war er dem Unterricht des Vatersschon entwachsen, und dieser übergab ihn einer Art höhererLehranstalt. Hierhin trug er im harten Winter, Morgens schonvor Tagesanbruch, den kleinen Jungen, den vor der bitterenKälte nur ein alter, abgeschabter Mantel schützte. Sein dor-tiger Lehrer, Rabbi Fränkel, war für damalige Begriffe eingelehrter, vorurtheilsfreier Jude; der Kleine hing mit ab-göttischer Liehe an ihm, er war sein eifrigster Schüler. Baldaber erhielt Fränkel einen Ruf als Ober-Rabhiner nach Berlin— und der kritische Wendepunkt im Lehen Moses' trat eht.Die Mittel des Vaters schienen ein weiteres Studiren nichtgestatten zu wollen, und Mendelssohn sollte Handelsjudewerden, mit dem Pack auf dem Rücken die Dörfer durch-wandern und sich sein Brod verdienen. Indess zum Glückschreckten die fast unüberwindlichen Schwierigkeiten, die aufdem Wege zu den Wissenschaften lagen, die drohenden Jahredes Mangels, der Gedanke, in eine wildfremde, feindliche Um-gehung gestossen zu werden, den Knaben nicht ab, und mit14 Jahren wanderte der kleine, missgestaltete und schüchterneMensch allein und mittellos nach Berlin, zum Rosenthaler Thorein, dem einzigen, durch das damals fremde Juden einpassirendurften, um wieder in der Nähe seines geliebten Lehrers RabbiFränkel zu weilen; denn dieser, das fühlte er dunkel, konnteihm den Weg zu höherer Bildung zeigen.
Jähre des bittersten Elends folgten; seine Armuth war sogross, dass er an dem Brode, welches er sich wöchentlich als