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Das Handlungshaus Ferdinand Flinsch : Gedenkbuch zu dessen fünfzigjähriger Jubelfeier am 20. April 1869
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Graden vermag ein geschickter Arbeiter 4 bis 5000 täglich zn giessen; bei grösserenverhältnissmässig weniger.

Aus den Händen des Giessers kommt das Schrif'tzeichen in die des Abbrechers,der den Giesszapfen abstösst; dann zum Schleifer, welcher den Buchstaben an denbeiden breiten Seiten auf einem feinen Sandstein durch einmaliges rasches Hin- undHerziehen glättet (abzieht), und ihn dem Aufsetzer überliefert, der ihn in langen,flachen hölzernen Winkelhaken aufstellt. So erhält ihn der Fertigmacher und dieserbenutzt nun den Winkelhaken als Setzlinie, um die in demselben aufgestellten circa18 Zoll langen Buchstabenreihen bald mit dem Kopf, bald mit dem Fuss nach untenzwischen die Einlage und den Würfel des Bestosstisches zu bringen, wo sie, fest-gespannt, mit verschiedenen Hobeln an den Achseln bestossen und am Fusse, demSitze des Giesszapfens, mit einer kleinen Rinne versehen werden. Alsdann werdendie Buchstaben in einem hölzernen Winkelhaken befestigt, auf den beiden Kanten-seiten (Kegel) mit einem breiten Messer, dem Schabmesser, beschabt, und nachdemLinie, Kegel, Höhe und Breite nochmals geprüft, die unbrauchbaren ausgeschossenund die Stückzahl nachgezählt ist, in das sogenannte Schiff gebracht, um in grösserenStücken (Columnen) zusammengebunden und verpackt zu werden. Bei dieser letztenArbeit sind scharfe Augen und geschickte Hände gewissenhafter Arbeiter unerlässlichund von der gehörigen Controle hängt der Ruf einer Giesserei wesentlich ab.

Wir haben in Vorstehendem die Betriebswerkzeuge und den Fabrikationsgang,wie wir beide bei dem Eingangs gedachten Besuche der Dresler'schen Giesserei imJahre 1836 beobachtet, geschildert und glauben die Eigenthümlichkeiten derselbengewissermassen als die charakteristischen Merkmale aller besser eingerichtetenGeschäfte damaliger Zeit bezeichnen zu dürfen.

Wie ganz anders stellt sich dieselbe Giesserei heute, wo wir sie nach einemZwischenraum von 32 Jahren unter dem neuen Besitzer Flinsch zum zweiten Maledurchwandern, unseren Blicken dar.

Wir begegnen nicht nur einer grösseren Anzahl von eigentlichen Stempel-schneidern unter Leitung eines Schotten, sondern sehen auch eine Menge der früherdurch Menschenhände besorgten rein mechanischen und zeitraubenden Arbeiten mitgrösster Schnelligkeit und Präcision durch Maschinen verrichten. Verbesserte Mess-instrumente zeigen dem Stempelschneider jede Abweichung in der Grösse. DieKupferstücke für die Matern werden auf einer Schleif- und Polirscheibe maschinen-mässig zubereitet. Sie erhalten dann unter einer Einschlagmaschine mit Kniehebel-bewegung den Abdruck des Stempels (Patrize) genau an der gewünschten Stelleund in ganz gleich massiger Tiefe. Die Mater wird mit einer Justirnadel, mittels