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Das Handlungshaus Ferdinand Flinsch : Gedenkbuch zu dessen fünfzigjähriger Jubelfeier am 20. April 1869
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zuführte. Wer weiss es nicht, dass die Möglichkeit und das Eintreten kleinerDifferenzen in jedem Geschäftsverkehre liegt! Gleichwie Christian Flinsch in seinerGemeinde als Friedensstifter galt, so war Carl der beständige Förderer des gutenEinvernehmens zwischen dem Hause und seiner grossen Kundschaft. Er liessniemals einen Zwist aufkommen, kein Zerwürfniss Wurzel fassen, und rieth da, woes die Ehre des Hauses zuliess, lieber den Verlust einer Summe ertragen, als eineVerbindung verlieren, die durch ihren Einfluss wieder andere mit sich ziehen konnte.

Am 8. Januar 1828 verheirathete er sich mit JOHANNA DOROTHEA, Tochterdes Kaufmanns Kreiss in Leipzig, und gründete sich somit seinen eigenen Herd,während er bis dahin den seines Bruders getheilt hatte. Leider wurde sein ehelichesGlück gleich anfangs getrübt; denn kaum 14 Tage nach dem fröhlichen Hochzeits-reigen, am 24. Januar, stand er mit den Seinigen am Sarge seines geliebtenVaters. Dieser Trauerfall wollte ihm manchmal ahnend als das Bild seiner Eheerscheinen; hier aber kam und blieb der Sonnenschein des Friedens und derBehaglichkeit viele Jahre und nur das Einzige, was seinem Hause fehlte, waren diehellen Augen lieblicher Kinder.

Mit der Verwandlung der väterlichen Papiermühle in eine grosse Maschinen-Papier-Fabrik nahmen die Geschäfte Carls einen Umfang an, der die KräfteMehrerer in Anspruch genommen haben würde. Trotzdem versah er allein seineStelle und seine Beharrlichkeit führte ihn, zur Freude der Brüder, stets zumlohnenden Ziele. So sah er das Glück seiner Familie immer mehr emporblühen;dann kamen aber auch Zeiten, die sein Herz mit schwerer Sorge erfüllten. DieGesundheit seines Bruders Ferdinand fing an zu wanken; dessen Zustand wurde baldso bedenklich, dass eingehende Dispositionen über den Fortgang der Geschäfte nachseinem Ableben entworfen wurden; und dieses, sowie die Befürchtung des bevor-stehenden unersetzlichen Verlustes musste die weiche Seele des feinfühlenden Mannessehr bewegen. Das Schicksal klopft oft sehr hart an unsere Thüre und wo wiruns sicher glauben, da steht die Gefahr schon drohend auf unserer Schwelle. Soging es auch mit Carl. Am 6. Februar 1849 starb die Schwägerin zu Blankenberg,die Frau Christians, und kaum hatte sich Carl etwas von seiner Bestürzung erholt,so traf ihn nach neun Monden schon der stärkere Schlag durch den am 11. Novemberdesselben Jahres erfolgten Tod des geliebten Bruders Ferdinand, der seines Lebensschönes Vorbild gewesen war. Wohl war ihm noch manches liebe Band in dergrossen Familie erhalten, sogar seine alte Mutter konnte er noch freudig an seineBrust schliessen, aber auch diese wurde ihm bald entrissen, denn sie schloss am12. Februar 1851 die müden Augen, und leider war sie der Engel, der berufen war,