Druckschrift 
Das Handlungshaus Ferdinand Flinsch : Gedenkbuch zu dessen fünfzigjähriger Jubelfeier am 20. April 1869
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

r

Am Weihnachtsfeste des Jahres 1817 vermählte er sich mit LOUISE WlLHELMlNEJOHANNE, Tochter des Hofarztes Dr. Kunstmann zu Ebersdorf, vorher verehelichtgewesener Lynen. Diese Frau, um einige Jahre jünger wie er, brachte ihm inseinen stillen Wirkungskreis das reine Glück einer schönen Häuslichkeit, und derSonnenschein, der durch sie sein Leben von nun an erhellte, war ihm der Spornerneuter Thätigkeit in seinem Berufe. Sein Dasein floss durch die nächsten Jahreziemlich gleichförmig, aber nicht reizlos dahin. Eigene Kinder wurden ihm nichtgegeben, dafür liebte er aber mit ganzer Hingebung und Aufopferung die mit seinerGattin übernommene Stieftochter, welche ihn wiederum wie ihren leiblichen Yaterehrte und liebte.

Am 24. Januar des Jahres 1828 entriss ihm der Tod seinen biedern theurenYater, dessen Verlust ihm die Seele tief bewegte, so wie er auch dessen erfahrenenRath lange Zeit schmerzlich vermisste.

Der umfangreiche Papierhandel seiner Brüder in Leipzig hielt ihn viele Jahrein seinem Geschäfte in voller Thätigkeit, da die ersteren, wie sich von selbst verstand,seine Fabrikate vorab zu verwerthen strebten, bis im Jahre 1841, wie wir ausFerdinand's Lebensskizze wissen, seine Papiermühle niedergerissen wurde, um alsgrosse Maschinen-Papierfabrik wieder aufzuerstehen. Diese Fabrik mit ihren bedeu-tenden Anforderungen hat er denn für die Folge durch sein ganzes Leben mitebenso grossem Erfolge wie treuer Hingebung an die Interessen des Hauses Flinschverwaltet. Mit jener Veränderung verliess er auch seine bescheidene, ihm liebgewordene Wohnung, da durch die Fürsorge Ferdinand's neben der Fabrik einprächtiges Familienhaus aufgeführt wurde, das ihn und die Seinigen fortan aufnahm.

Am 6. Februar 1849 nahm ihm der Tod seine Gattin, deren Hinscheiden ihmfür immer einen unersetzlichen Verlust bereitete und in seinem Wesen tiefe Spurenzurückliess; sein Gram vermehrte sich noch, als ihm nach einigen Monaten, am12. November 1849, auch der Bruder Ferdinand in Leipzig entrissen wurde, andessen Krankenbett er in fürsorglicher Liebe geeilt war. Ein letzter harter Schlagtraf ihn noch durch den Tod seiner Mutter, welcher am 12. Februar 1851 erfolgte,bei dem ihn nur das Bewusstsein tröstete, dass er ihren Lebensabend, so viel erkonnte, erheitert hatte; und am 10. September 1854 beklagte er das Ableben derFrau seines Bruders Carl. Nach dem Scheiden dieser Geliebten wandte er seineThätigkeit ausschliesslich den Interessen seiner Mitmenschen zu und das Gold seinerSeele zeigte sich in seinem ganzen Glänze.

Seit seiner Heimkehr von der früheren Wanderschaft hatte er, kleine Ausflügeausgenommen, sein liebes Dorf nicht verlassen. Es war ihm auch nirgend so wohl,

29

J