Druckschrift 
Das Handlungshaus Ferdinand Flinsch : Gedenkbuch zu dessen fünfzigjähriger Jubelfeier am 20. April 1869
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

m

m -

s . j .

l '** }

Das Geschäftshaus befand sich im Paulimun, in der jetzigen Universitätsstrasse,wo es heute noch, obwohl in ganz veränderter Gestalt besteht. Unbedeutend zwarwar anfangs das Geschäft, aber Ferdinand hatte keine Sorge um dessen Hebung; erwusste, dass der Erfolg nicht ausbleiben werde. Vorab ersetzten die beiden Brüderdurch ihren unermüdlichen Eifer die Hilfe Anderer und mit freudigem Humor behalfensie sich in den beschränkten Räumen. Schon bald hatten sie die Genugthuung, zubemerken, dass ihre Sparsamkeit und ihr Fleiss gute Früchte trugen, dass dasklein begonnene Werk einen guten Fortgang nehme.

Die Rechtschaffenheit, der Biedersinn und die Freundlichkeit Ferdinand's gabensich schnell im Geschäft wie im Leben kund und verwandelten die sogenanntenGeschäftsfreunde nicht selten in wirkliche Freunde, die sich auf die Dauer desLebens mit ihm verbanden.

Unter diesen schloss sieh namentlich der Rathsbuchhalter Winkler, ein bedeu-tender, einsichtsvoller Mann dem Anstrebenden mit besonderer Zuneigung an. Erwusste eine edle Strebsamkeit an jungen Männern um so mehr zu schätzen, alser sich selbst mit unsäglichen Schwierigkeiten zu seiner ehrenvollen Stellung empor-geschwungen hatte. Darum begegnete er Ferdinand mit besonderem Wohlwollenund ertheilte ihm manchen guten Rath.

Seit der Geschäftseröffnung war kaum ein Jahr verflossen, da ging ein neuer

schöner Stern am Lebenshimmel Ferdinand's auf, zu dem er freudig emporblickte.

Es war die Liebe, die den Weg zu seinem Herzen gefunden und der er, jung,

thatkräftig und mit einem klaren Blicke in die Zukunft, um keinen Preis entsagt

hätte. Schon hatte er einen Gesannntüberschlag über seine Erfolge; das Soll und

Haben stand in einem Umfange vor ihm, dass er selbst erstaunte und er sich

*

sagen musste, wie er sich schon jetzt eine freie, unabhängige Stellung errungenhatte.

Durch den Verkehr mit seinem obengenannten väterlichen Freund Winkler warer natürlich auch mit dessen Familie in Berührung gekommen. Die einzige Tochtermachte einen tiefen Eindruck auf sein Herz und als er auch ihrer Liebe sichversichert glaubte, warb er, und nicht vergebens, um ihre Hand. Die Braut unddie Eltern von beiden Seiten gaben freudig ihre Einwilligung, und der schöne, soviele herrliche Früchte tragende Bund zweier gleichgesinnter Seelen wurde am21. Mai 1820 eingesegnet.

Mit diesem frohen Ereigniss erwachte dem jungen Gatten ein neuer Morgenvon Hoffnung, Lebensfreudigkeit und Muth. Mit seiner jungen, liebenswürdigenGattm zog das Glück in sein Haus ein und blieb ihm bis an sein Ende getreu.

13

kr