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Das Handlungshaus Ferdinand Flinsch : Gedenkbuch zu dessen fünfzigjähriger Jubelfeier am 20. April 1869
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Wer weiss es nicht, dass die Erfindung und Fertigung des Papiers auf dieEntwickelung des Geistes den gewaltigsten Einfluss ausübte? Die Verbreitungdes Gedankens und der Aufklärung, dieser beiden Götterblumen, den Menschenin Milde verliehen, ist die erste erhabene Folge, und die Erfindung der Buch-druckerkunst hätte sicher nicht so grossen Segen gestiftet, wenn nicht das Papierderen Lebensfähigkeit begründet und wirksam gemacht hätte. Einem denkendenManne des grauen Alterthums gab die allweise Mutter Natur, in einer Pflanzeverborgen, den Stoff, welcher die Blätter lieferte, auf denen die Gedanken derVorzeit uns überkamen; aber die Schwierigkeit der Herstellung auch nur einesBogens steigerte den Preis zum Unerschwinglichen und setzte so dem Daseinder Menge dieses Erzeugnisses die engsten Schranken. Das Pergament musste mitreicherem Ersätze an seine Stelle treten, und jene bereiteten Thierhäute, auf diewir, wo sie uns begegnen, mit einer gewissen Ehrfurcht blicken, sind die Gedenk-tafeln deutscher Gelehrsamkeit, und ihre alten Schriftzüge wieder die Mutter derTypenschrift.

Im 9. Jahrhundert führte plötzlich der Handel aus Asien einen neuen Stoff,das Baumwollenpapier, ein, der schnell alle früheren Stoffe verdrängte. Ob dieserdie Erfindung der Araber oder eines anderen östlichen Volkes gewesen, ist ungewissund auch gleichgültig, genug er war da und weckte die Ideen zu seinerVerbesserung in Nord und in West.

Die älteren Muster jenes Zeitraums sind noch sehr schlecht; die des 12. Jahr-hunderts bekunden indess den schönen Fortschritt, den die Araber bis dahin inder jungen Kunst gemacht: sie hatten inzwischen die Drahtform ersonnen.

Der Gebrauch des Papiers wird nun allgemeiner; die Kunst der Verfertigungdesselben greift in Spanien bei den Mauren mit grossem Erfolge um sich, weiseMonarchen nehmen den neuen Gewerbszweig in ihren Schutz, denn schon KaiserFriedrich II. verordnet 1221, zu Urkunden nicht mehr das Pergament, sondern dasPapier zu benutzen.

Die Verarbeitung der Baumwolle selbst mag schon früh zur Benutzung derbaumwollenen Lumpen (Hadern) geführt haben, die in Italien und anderen Länderndurch Stampfen, in Deutschland durch Handmühlen in Fasern aufgelöst wurden.Ein Deutscher aber ist, wahrscheinlich um's Ende des 13. Jahrhunderts, der ersteErfinder des Linnenpapiers. Um das Ende des Jahres 1390 befand sich beiNürnberg im Besitze von Ulmann Stromer bereits eine Papiermühle mit 18 Stampfen.Zu Ende des 11. Jahrhunderts führten ebenfalls deutsche Papierarbeiter statt derHandmühlen die Stampfen bei sich ein, welche die Lumpen zugleich reinigten

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