198
Auch konnten noch Zeugen leben, von denen eidlicheKundschaft über den Thatbestand der Ehe zu erlangen war.Es konnte wichtig seyn oder scheinen, nicht nur ewiges Still-schweigen über Tharuinstände der oben erwähnten Art durchschwere und lange Haft von Clara, und selbst von ihremdurch das harte Schicksal der Mutter gerührten Sohn, zuerzwingen, sondern auch Andere von Eröffnung oder Verbrei-tung solcher Thatsachen abzuschrecken.
Besonders der Zweck des Schweigens scheint allseitserreicht worden zu seyn. Denn weder von Clara selbst, die nachihrer Freilassung wenigstens noch fünf Jahre (im I. (490)lebte, noch von Ludwig, dem die Ursachen von der MutterEinkerkerung nicht unbekannt seyn konnten, noch von einen:Drittelt, ist hierüber irgend ein'Aufschluß der Geschichte über-liefert worden. Selbst in den: comprvmißgcrichtlichen Proceß,den Ludwig drei Jahre nach des Kurfürsten Philipps Tod,im Jahr 15 ll, wider dessen Söhne, den Kurfürsten Ludwig V.und seinen Bruder Friedrich führte, beobachtet Ludwig ein(gewiß nicht unüberlegtes) Stillschweigen über die Ursache«:der langen Einkerkerung, obgleich er der letzten in: Allgemei-nen beschwerend erwähnte und auch über manche ihn:selbst widerfahrne harte Begegnung den: gepreßte:: HerzenLuft machte.
Schluß.
Offenbar waren die Ursachen von Clara's langer Haft,,und ihrer strengen Abgeschlossenheit von der Aussenwelt, sogarvon den: Sohn, ein für sehr wichtig gehaltenes Familien-,Hof- und Staarsgeheimniß, ein so ängstlich bewahrtes,daß selbst nach des Kurfürsten Philipps Tod, auch nur überdie Thatsache der Einkerkerung sich bestlinmt zu äußern für