Druckschrift 
Die eheliche Abstammung des fürstlichen Hauses Löwenstein-Wertheim von dem Kurfürsten Friedrich dem Siegreichen von der Pfalz, und dessen Nachfolgerecht in den Stammländern des Hauses Wittelsbach
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

»6

Vernehmen wir das vollgültige Zeugniß eines täglichenBeobachters ihres Thun und Lassens. Matthias von (aus)Kemnat (in der Oberpfalz), zuerst Lehrer und Erzieher,dann Professor der Poesie zu Heidelberg, und zugleich Hof-caplan Friedrichs des Siegreichen, in dieser Eigenschaft seinBegleiter auf allen Feldzügen H, entwirft, in seiner nochungedruckten Geschichte dieses Kurfürsten, folgende Schilderungvon ihr 2).Aber ire (der beiden Söhne des Kurfürsten)Mutter Clara was clare von Sitten, clare von Guttigkeit,clar wolredent, clare in süssigkeit vnd Trewekeit, clare vberdie hohen weiber, Schamhaft, demüthig, Mesig, senfftmutig,SchimperH, vnd clare in allen Tugenden allerclerste inWeisheit vnd Vernunft. Die Clara hüt sich in allen clarenSachen also, daß sie von meniglich gelobt vnd lieb gehabt".In demselben Ton sprechen die lateinischen Gedichte auf Clara,welche derselbe Geschichtschreiber aufbewahrt hat H.

Clara hatte das Glück, von ihren Eltern eine sorgfältigeErziehung zu erhalten. Davon zeugt ihre feine gesellschaftlicheBildung, wodurch sie einer Anstellung bei der regierendenHerzogin von Bayern zu München, in einem der höherenGrade ihres Hofstaates (Z. 29), für würdig geachtet ward.Es zeugt davon die hohe kunstgerechte Ausbildung ihres Sing-talentes, womit sie bei Friedrich dem Siegreichen die Ehren-

t) H. W. Roter mund, Fortsetzung und Ergänzungen zu C. G.Jocher'S Gelehrten-Lexikon, Bd. III (18tv), S> 207. Kre-mcr, a. a. O., in der Vorrede, S. t u. 2.

2) Krem er, a. a. O., S. S28.

3) "Schimper", d. h. scheinbar, stattlich.

4) Eine Probe bei Kremer, S. 529. Man s. auch F. P. W nndt,Entwurf der allgemeinen rheinpfälzischen Landesgeschichte (Mannh.t798. 8.), S. 90.