Druckschrift 
1 (1893) Von 1207 bis 1648
Entstehung
Seite
328
Einzelbild herunterladen
 

328

1SS«.

der Kette geschlagen und dann zur Hausthür geeilt und da sein Töchterchen nichtdie Thür vor ihm zugeschlagen, hätte sich vielleicht ein anderes Unglück ereignenkönnen, da er mit dem Spieß in die Thür gestochen. Als Peter Ernst v. Oppendann des Küsters von Brachwitz, der aus dem Fenster gesehen, ansichtig geworden^md geineint, er (der Pfarrer) sei es, habe er mit dem Spieße ans Fenster ge-wollt, sei aber von Christoph Schröder und Heinrichs v. Oppen Jungen zurückge-zogen worden. Als seine im Stalle mit Flachsschwingen beschäftigte Hausfrauden Hund bellen gehört und in die Hofpforte geeilt sei, um zu sehen, was es dagebe, habe Heinrich v. O. zu ihr gesagt: „Du stolzes, hoffärtiges Pfaffcnweib, gefälltDir die Pfarre nicht, so schaffe Dir eine andere!" woraus sie sehr erschrockenkein Wort erwidert habe, aber nun sei Peter Ernst v. Oppen hinzugelaufen undhabe seinem armen Weibe unverschuldeter Maßen „Maul und Nase jämmerlichdurchgeschlagen", wie sie mit ihrer blutigen Schürze beweisen könne. WoraufHeinrich v. Oppen „mit aufgereckter und „dreuender" Hand weggerittcn sei undgesagt habe: „Nun, Pfaff, ich will Dirs gedenken, wo ich ein ehrlicher von Oppen„geboren, ich sterbe Dir denn abc (ich stürbe vor Dir). Du sollst räumen oder ich„will räumen", wie dies Christoph Schröder neben Anderen bezeugen werde. Erkönne nicht wissen, wie er und seine arme Ehefrau dies um Heinrich v. Oppenverdient habe.

Die Bürger von Belitz, die bei der Pfändung zugegen gewesen, würdenbezeugen, was die Bauern von Wendisch Borck, die dem gepfändeten Vieh gefolgt,von ihm gesagt, ihn schelmischen Pfaffen u. a. m. genannt und was sie ihm zuthun sich vorgenommen haben. Sie wollten, hätten sie gesagt, ihn so aus demDorfe jagen, wie das Vieh aus dem Dorfe getrieben worden; würde er ihnendas Vieh nicht wieder schaffen, so wollten sie ihn mit Steinen von der Kanzelwerfen. Sie wollten niemals in seine Predigt kommen, wie dies denn auch meisten-theils geschehen. Einige Bauernweiber seien an mehreren Tagen Morgensfrüh, wenn der Hirt das Vieh getrieben, vor die Pfarre gekommen, hätten ihngeschändet, seien auf die Erde niedergefalleu, hätten Zeter und worckio über ihngeschrieen: sie wollten ihr Vieh wieder haben, wo nicht, so wollten sie sich an ihmrächen.

Als er zu Michaelis sich nach Berlin zum Consistorium (des Termins halber)begeben, sei einer mit Namen Peter Kraus Abends zwischen 8 und 9 Uhr vordie Pfarre geritten gekommen und habe ihn und sein Weib vor die Thür heraus-gefordert; als aber die Magd gefragt, was er von der Frau wollte, sie würdees wohl bestellen, sei er sofort weggeritten und habe ihn im ganzen Dorfe alsSchelm ausgerufen „und andere greuliche Schmähworte wider ihn ausgegossen",wie er dies mit (namhaft gemachten) Zeugen beweisen könne. Derselbe habe inTreuenbrietzen zu dem Bürger Tewes Lüssow gesagt: Wenn er sein Vieh nichtwieder bekäme, sollte er (der Pfarrer) auf der Gasse nicht sicher gehen, sondern er